Heidelberger Spieleverlag

Von der Idee zum Spiel – ein Blick hinter die Kulissen

// Brett- und Kartenspiele

Justice League – Hero Dice ist ein Würfelspiel aus dem Heidelberger Spieleverlag. Dabei übernimmt jeder Spieler die Rolle eines der Helden aus dem bekannten DC-Universum, die zusammen als Justice League gegen ihre Erzfeinde kämpfen. Jeder Held hat dabei ein eigenes Würfelset, das verschiedene, zu ihm passende Fähigkeiten enthält. Durch das Würfeln bestimmter Aktivierungssymbole und den geschickten Einsatz ihrer Heldenkarten versuchen die Spieler, das Eindringen der Schurken in ihre Stadt zu verhindern. Wie viel Arbeit hinter diesem auf den ersten Blick simpel erscheinenden Konzept steckt, beschreibt Sabine Machaczek für die Zauberwelten.

Spiele zu produzieren ist eigentlich ganz einfach: Am Anfang steht die Idee. Dann entwickelt der Autor aus dieser Idee ein Spiel, stellt es einem Verlag vor und dieser kümmert sich um Feinschliff, Design, Produktion, Werbung und Vertrieb. Na gut, ganz so einfach ist es vielleicht doch nicht ...

Die Entwicklungsgeschichte von Jus­tice League – Hero Dice begann bereits im Mai 2011. Damals hatte der Spieleautor Andreas Schmidt die Idee zu einem Superman-Würfel. Er ließ sie etwas ruhen, beschäftigte sich zwischendurch mit anderen Ideen, brütete immer wieder darüber … und ein Jahr später war diese Idee zu einem richtigen Superman-Würfelspiel mit sechs Würfeln in drei verschiedenen Farben angewachsen, und was mit Superman funktioniert, klappt doch sicher auch mit Batman? Andreas bastelte Prototypen für seine Batman- und Superman-Würfel (Standardwürfel, die er mit ausgedruckten heldenspezifischen Symbolen beklebte) und los ging das Ausprobieren.

Als Autor einiger anderer bereits veröffentlichter Spiele (z. B. Der Hobbit im Kosmos Verlag oder Polterfass von Zoch) hatte Andreas eine gewisse Erfahrung im Entwickeln von Spielen, doch bis die Verteilung der Symbole auf den Würfeln zu der von ihm angestrebten Zufallsverteilung führte, dauerte es dennoch eine ganze Weile. Dann war es an der Zeit, den Prototypen nicht mehr nur alleine, sondern mit Familie, Freunden und anderen Interessierten auszutesten. Eine solche Testspielphase kann sich je nach Komplexität des Spieles sehr lange hinziehen, in diesem Fall waren es drei bis vier Monate für die reinen Würfelmechanismen.

Ein Spiel tatsächlich an einen Verlag zu verkaufen, ist eine große Hürde, an der die meisten Autoren scheitern. Dem Heidelberger Spieleverlag werden etwa fünf Spiele pro Woche von Hobby-Spiele­entwicklern angeboten, einen Prototypen fordert die Redaktion nur von den wenigsten an. Das kann viele Gründe haben: Mal passt das Spiel nicht ins Verlagsprogramm, mal gibt es bereits zu ähnliche Spiele auf dem Markt oder die Spielidee kann einfach nicht überzeugen.

Der Feinschliff

Andreas gelang es jedoch, den Heidelberger Spieleverlag für sein Würfelspiel mit den DC-Helden zu begeistern. Die Idee, dass jeder Held einen eigenen Würfelmechanismus hat, der zu seinen Fähigkeiten und seinem Charakter passt, überzeugte. Doch ein reines Würfelduell, bei dem man lediglich durch Glück gewinnt oder verliert, war in den Augen des Verlags noch kein Spiel, sondern lediglich die Grundlage für eines. Deshalb sollte Andreas weiter an dem Projekt arbeiten und mehr Entscheidungsmöglichkeiten einarbeiten.

Weitere Versionen des Spiels entstanden, wurden testgespielt und wieder verworfen. Es gab zum Beispiel eine Version mit Bluffmechanismus, die bei Superman wunderbar funktionierte, aber bei Batman scheiterte.

Interessante Ansätze hatte eine Version, bei der die Helden der Justice League nicht mehr direkt gegeneinander, sondern gegen Schurken kämpfen – Gewinner ist, wer dadurch am meisten Ruhmpunkte erringen kann.

Knackpunkt aller bis dahin entstandenen Versionen war, dass die Helden der Jus­tice League direkt oder indirekt gegeneinander kämpften, obwohl sie doch eigentlich als vereinte Front gegen das Böse stehen sollten. Schließlich entwickelte die Heidelberger-Redaktion in Abstimmung mit Andreas einen kooperativen Spielmodus, bei dem alle gemeinsam gegen die Schurken kämpfen.

Papierkram und Fleißarbeit

Auf Verlagsseite begann in der Zwischenzeit bereits die Produktionsplanung. Heiko Eller, Chefredakteur und Produktionsmanager beim Heidelberger Spieleverlag, informierte sich unter anderem auf der Spielwarenmesse in Nürnberg 2014 über geeignete Würfelproduzenten und Druckereien.

Zahlen wurden jongliert und ein Verkaufskonzept, bei dem jeweils ein Held pro Box erscheinen sollte, wurde ausgearbeitet. Superman und Batman sollten als erste Boxen gleichzeitig erscheinen, weitere Helden-Sets nach und nach folgen. Ende 2014 erwarb der Verlag die internationalen Lizenzrechte für Justice League von Warner Brothers Entertainment (Was schnell geschrieben, in Wahrheit aber langwieriger Papierkram ist).

Ein vorläufiges Spieldesign wurde erarbeitet (Januar 2015) und erneut ein funktionierender Prototyp gebaut. Diesen prüften nun sowohl die Redaktion als auch Andreas und seine Spieltester auf Herz und Nieren. Außerdem wurde das Spiel um eine Solovariante erweitert, mit der man als einzelner Held gegen die Schurken des Spiels kämpfen kann. Langsam erfuhr Justice League – Hero Dice nach und nach mehr Feinschliff, sowohl was die Spielmechanik als auch das Design angeht.

Die Illustrationen lieferte die Warner-Datenbank, doch das Layout von Box, Würfeln, Markern, Regel, Karten und Heldenbögen musste von Grund auf erarbeitet werden. Neben der Covergestaltung, die den Kaufentscheid maßgeblich beeinflusst, ist vor allem die Gestaltung der Würfel- und Kartensymbole besonders wichtig. Diese sollen nämlich möglichst intuitiv sein, um das Spiel nicht unnötig kompliziert zu machen.

Während das Redaktionsteam noch am Spiel arbeitete, wurden bereits internationale Partnerverlage angefragt, ob sie eine Version des Spiels in ihrer Landessprache verwirklichen wollen. Denn je mehr Spiele auf ein Mal produziert werden, desto güns­tiger werden die Produktionskosten pro Einzelspiel.

Sobald das Layout stand, begann die finale Überarbeitung der Spielregeln und Texte. Hierbei arbeitete der zuständige Redakteur mit externen Korrekturlesern zusammen, die auf Rechtschreibung, Grammatik und auf die Verständlichkeit der Regeltexte achteten.

Nachdem die Daten von Verlagsseite aus abgeschlossen worden waren, wurden sie via Internet an die entsprechende Stelle bei Warner Brothers gesendet. Denn Lizenzprodukte müssen, bevor sie in die Produktion gehen, vom Lizenzgeber genehmigt werden. Dann arbeitete die Redaktion das Feedback von Warner ein. Das umfasste Änderungen am Kleingedruckten oder auch Augenfälligeres, wie der Hinweis von Warner, dass das DC-Logo auf dem Cover immer hinter einem Aufklapp-Effekt zu stehen habe.

Bis alles passte, vergingen gut und gerne drei Monate mit reichlich Hin und Her.

Als die Druckfreigabe schließlich erteilt wurde, gingen die Daten an die Druckerei, die einen Monat später ein Vorabexemplar als Muster schickte. Nun wurden noch einige kleinere Korrekturen, wie zum Beispiel Farbanpassungen, vorgenommen.

Das fertige Spiel

Sobald alle Daten vorlagen und geneh­migt waren, begann der eigentliche Druck. Die Spieleproduktion geht relativ schnell, doch die Verschiffung von China nach Deutschland dauert etwa vier Wochen – falls es bei der Zollabwicklung nicht zu Problemen kommt. Da zu diesem Zeitpunkt (September 2015) die Spiel in Essen näherrückte, wurden je 100 Batman- und Superman-Boxen via Luftfracht eingeflogen. Diese wurden für Demospielrunden, Rezensionsmuster, Exemplare für internationale Partner oder den Messe-Vorabverkauf genutzt. Vor der Messe wurden außerdem Werbemittel wie Poster, Autogrammkarten, Webbanner und Printanzeigen gestaltet, die natürlich auch von Warner Brothers freigegeben werden mussten. (Wir erinnern uns: bis zu drei Monate Hin und Her.) Der Vertrieb begann nun damit, das Spiel Händlern vorzustellen, und die Marketingabteilung verschickte Rezensionsexemplare an ausgesuchte Pressevertreter und schaltete Anzeigen in Branchenmagazinen.

Die vollständige Lieferung traf dann kurz vor Weihnachten im Lager der Heidelbären ein. Jetzt begann das Verpacken und Verschicken an die Händler, die seitdem Justice League – Hero Dice den Endkunden in ihren Läden anbieten.

Darüber hinaus wurde im Verlag seit Mitte 2015 schon an den nächs­ten beiden Helden-Sets gearbeitet: Flash und Green Lantern. Andreas selbst hat bereits die Würfelmechanismen für Wonder Woman und Aquaman entwickelt und feilt an den Ideen für weitere Helden.

Zeitstrahl

  • 03/2011     Erste Idee
  • 03/2012     Würfelmechanik Superman
  • 07/2012     Würfelmechanik Batman
  • 09/2012     Vorstellung des Prototyps beim Verlag
  • 2013   Produktentwicklung Andreas/Verlag
  • 01/2014     Beginn der Produktionsplanung
  • 11/2014     Erwerb der Justice League-Lizenzrechte
  • 01/2015     Erster vollständiger Prototyp
  • 03/2015     Verhandlungen mit der Druckerei abgeschlossen
  • 03/2015     Produktionsfreigabe der Würfel für Superman und Batman; Produktionsbeginn der Würfel
  • 04/2015     Erste Würfelmuster Superman und Batman treffen ein
  • 04/2015     Finales Design steht
  • 05/2015     Redaktionelle Bearbeitung der Spielregeln (Überprüfung auf Verständlichkeit, Rechtschreibung und Grammatik)
  • 06/2015     Würfelmechanik Flash und Green Lantern
  • 08/2015     Beginn der Verlagsarbeit an Flash und Green Lantern
  • 09/2015     Finale Freigabe von Warner für Superman und Batman; Druckbeginn der Papierkomponenten
  • 10/2015     Werbematerial wird erstellt, freigegeben und produziert
  • 10/2015     Ankündigung Batman und Superman
  • 10/2015     Spielwarenmesse Essen: Direkte Anlieferung und Verkauf der Vorabexemplare
  • 12/2015     Anlieferung Batman und Superman
  • 01/2016     Offizieller Verkauf Batman und Superman startet
  • 02/2016     Ankündigung Flash und Green Lantern

Wie funktioniert Justice League – Hero Dice?

Jeder Spieler übernimmt die Rolle eines Helden. Zusammen kämpfen sie als Justice League gegen die Schurken, die versuchen, in die Stadt vorzudringen.

Spielt man mit Batman und Superman, werden die Schurkenkarten beider Heldensets gemischt und als verdeckter Schurkenstapel bereitgelegt. Davon werden zwei gezogen, die links vom Stapel ausgelegt werden (eine offen, eine verdeckt). Dies­ sind die Schurken in den Außenbezirken der Stadt, die in der nächsten Runde aufs Schlachtfeld rechts vom Schurkenstapel nachrücken. Die Helden können sich immer nur einer begrenzten Anzahl an Schurken auf dem Schlachtfeld stellen. Übersteigt die Gesamtstärke der Schurken (die Zahl auf der Schurkenkarte neben der Faust links oben) das Machtlimit der Helden, bewegen sich die Schurken zu Beginn der nächsten Runde nicht aufs Schlachtfeld, sondern gehen direkt in die Stadt. Bei zwei Helden ist dieses Limit 15. In der Stadt zählt ihre Stärke dann als Minuspunkte. Der übrige Widerstandswert der Stadt zu Spielende gibt an, wie gut die Helden ihre Stadt verteidigt haben.

Die Helden müssen also jede Runde versuchen, so viele Schurken wie möglich auf dem Schlachtfeld zu besiegen. Dazu nutzen sie ihre speziellen Angriffswürfel, ihre Handkarten (von denen jede jeweils einmal pro Spiel eingesetzt werden darf) und die Spezialfähigkeit ihres Heldenbogens.

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