Harry Potter und das verwunschene Kind – Teil Eins und Zwei

Die achte Geschichte – 19 Jahre später – ein Bühnenstück

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Harry Potter und das verwunschene Kind – Teil Eins und Zwei - News

Das Phänomen Harry Potter setzt sich in einem neuen Medium fort: Auf der Bühne. Das Theaterstück vereint die Welt der Zauberer mit ganz alltäglichen Familienproblemen, bietet alte Bekannte und neue Charaktere auf, zeigt die Kinder von einst als Erwachsene in ihren neuen Rollen als Eltern und berufstätige Zauberer und die nächste Generation in der denkbar abwegigsten Kombination, die man sich im Vorfeld hätte ausmalen können. Familie, Freundschaft, Verantwortung im Kleinen und Großen und
die Frage nach dem eigenen Platz in der Welt: gewichtige Themen, gezeichnet in den bekannten Kulissen der Welt um Hogwarts und begleitet von unterhaltsamen Dialogen. Alles in allem wächst stetig die Lust, die Umsetzung auf der Bühne sehen zu dürfen.

Albus Severus Potter ist der jüngere Sohn von Harry und Ginny Potter und findet sich mit seiner Rolle als Nachkomme seines berühmten Vaters so gar nicht ab. Scorpius Malfoy, Draco Malfoys einziges Kind, hat ebenfalls schwer am Vermächtnis seiner Familie zu tragen. Eigentlich unabwendbar, dass die beiden die besten Freunde werden. Doch je mehr die Spannungen zwischen Albus und seinem Vater zunehmen, umso näher rücken die wahren Katastrophen. Der Junge stürzt sich schließlich ziemlich Hals über Kopf in die erstbeste Gelegenheit, um gegen seinen Vater zu rebellieren, und schlägt damit Wellen durch die Zeit, die kaum noch beschiffbar erscheinen.

Theater: ein ganz anderes Medium

Das Special Rehearsal Edition Script ist genau das: ein Theaterskript. Es bedarf einer leichten Umstellung und gewissen Grundkonzentration beim Lesen, denn, abgesehen von der Szeneneinteilung und Benennung der jeweiligen Kulisse finden sich nur kurze Beschreibungen des zu sehenden Bildes auf der Bühne und hier und da minimalste Regieanweisungen und Hinweise auf die darzustellenden Empfindungen der Personen. Abgesehen davon ist den Dialogen der jeweilige Sprecher vorangestellt. Sobald man sich daran gewöhnt hat, liest es sich wie am Schnürchen, die fehlenden Beschreibungen der Umgebung und des Innenlebens der Protagonisten spornen die eigenen Vorstellung umso mehr an. Oftmals möchte man platzen vor Neugier bei der Frage, wie der ein oder andere magische Effekt wohl auf der Bühne umgesetzt werden mag.


Die Handlung: Altbekanntes in neuem Kontext

Der Fokus liegt zunächst sehr auf den Beziehungen der Eltern mit ihren Kindern. Wer selbst Kinder hat, dürfte den emotionalen Stress, der teilweise aufkommt, sehr nachvollziehen können. Es gibt jedoch auch viel zu Schmunzeln, besonders wenn Ron Weasley Teil der Szenerie ist. Am Anfang reiht sich Szene an Szene, basierend auf Meilensteinen aus den Romanen: Die Hogwarts-Frischlinge durchlaufen die ersten drei Jahre im Schnelldurchlauf, passieren den sprechenden Hut, die erste Flugstunde, Trankkunde und immer wieder Gleis 9 ¾ und werden so in die Ausgangslage der eigentlichen Geschichte manövriert. Die daraus resultierende Hektik ist sicherlich dem Medium geschuldet. Im weiteren Verlauf, spätestens im zweiten Teil, verdichtet sich die Handlung und lässt den anfangs ein wenig vermissten Spannungsbogen aufkommen. Durch einige erzählerische Kniffe bekommt man verschiedene Szenarien präsentiert, die den alten Helden die Möglichkeit geben, ihre Facetten auszuleben. Auch gibt es unerwartete, aber nicht weniger erfreuliche Gastauftritte. Auf den letzten hundert Seiten ist es schwer, das Buch überhaupt noch aus der Hand zu legen.


Never change a winning team: Harry Potter ist und bleibt ein Idiot!

Und sein Sohn Albus, so sehr er glaubt, seinem Vater nicht gerecht zu werden, tritt tapfer in seine Fußstapfen. Aber das ist auch gut so. Ein perfekter Held ergäbe schließlich nichts als eine lahme Story. Gerade da, wo die Protagonisten versagen, glänzen ihre Freunde umso mehr, und darum ging es schon immer bei Harry Potter: um Freundschaft durch alle Höhen und Tiefen. Die achte Geschichte ist nicht unbedingt brillant, das Böse sogar recht vorhersehbar, nicht jedoch die kreativen Lösungsversuche und der Weg zum Finale. Die Dialoge sind manchmal arg flapsig, bis hin zu belanglos, doch im Gesamtbild stört das nicht. Nach der langen Zeit des Wartens tut es gut, etwas Neues aus Hogwarts zu lesen. Das hätte jedoch auch ruhig auf mehr Seiten sein dürfen!

Harry Potter und das verwunschene Kind
Teil Eins und Zwei
Nach einer neuen Geschichte von J.K. Rowling, John Tiffany & Jack Thorne
Das neue Theaterstück von Jack Thorne
(Carlsen, 2016)
330 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3-551-55900-5
Webseite: Harry Potter und das verwunschene Kind bei Carlsen

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