Halbelfen

Charakterkonzept mit doppelten Schwierigkeiten

Kategorie: LARP
Tags: Charakter Larp Halbelf
von Die Redaktion (Text)

Auf den ersten Blick scheinen Halbelfen eine einfache Rolle abzugeben: Man muss sich nicht ganz auf das Elfenspiel einlassen, kann aber trotzdem von ihrem Glanz profitieren und einen reizvollen nicht-menschlichen Charakter spielen. Gerade Anfänger*innen entscheiden sich deshalb häufig für halbelfische Charaktere. Die Realität sieht anders aus: Es ist ziemlich schwer, einen Halbelf (oder eine Halbelfe) überzeugend darzustellen.

Das größte Problem dabei ist, den Charakter erkennbar zu machen. Spitze Ohren senden das Signal Elf aus, sodass man erst einmal als solcher wahrgenommen wird. Wenn nun aber andere Aspekte nicht dem Elfenklischee entsprechen (zum Beispiel eine kräftigere Figur, Bartwuchs oder menschliche Kleidung), wird man leicht als schlechte*r Elfenspieler*in abgestempelt. Es laufen im Larp viele Vollelfen mit diesen untypischen Merkmalen herum. Rein optisch ist es deshalb ausgesprochen schwierig, einen schlecht dargestellten Elfencharakter von einem gut dargestellten Halbelfencharakter zu unterscheiden.

Was macht einen Halbelfen aus?

Halbelfen vereinen die Eigenschaften von Menschen und Elfen. Welche Mischung dabei entstanden ist, kann jedoch sehr unterschiedlich sein und sollte gut überlegt werden. Es kann einen Halbelfen geben, der sich optisch kaum von Elfen unterscheidet, aber fast so schnell altert wie ein Mensch. Ein anderer wirkt eher menschlich, ist aber mit einem langen Leben, einer erhabenen Ausstrahlung und magischer Begabung gesegnet. Hier ist eine große Vielfalt möglich, über die man sich Gedanken machen sollte.

Neben der genetischen Mischung kommt es auch darauf an, wie der Halbelf sozialisiert wurde:

  • Ist er ein Kind der Liebe oder aus einer unerwünschten Liaison hervorgegangen?
  • Ist er unter Menschen oder unter Elfen aufgewachsen? Oder sogar in einer Kultur, in der beide Völker friedlich zusammenleben?
  • Hat er eher Ablehnung oder Bewunderung erfahren? Oder beides? Wie wird in seiner Heimat mit Halbelfen umgegangen?

Diese Fragen prägen das Selbstbild des Charakters. Es lohnt sich deshalb, einige Mühe in die Hintergrundgeschichte zu investieren.

Zwischen den Stühlen

Sehr vielen Halbelfencharakteren ist eine gewisse Zerrissenheit eigen: Sie gehören weder zum einen noch zum anderen Volk und werden von beiden nicht wirklich anerkannt. Halbelfenspieler*innen sollten deshalb mit einer gewissen Ablehnung zurechtkommen – sowohl von Menschen als auch von Elfen; von Zwergen und anderen Fremdrassen gar nicht erst zu sprechen.

Gründe für die Charakterwahl

Es gibt viele verschiedene Gründe, einen Halbelfen zu spielen. Einer der verbreitetsten ist, dass man gerne einen Elfencharakter spielen möchte, aber nicht die körperlichen Voraussetzungen dafür hat. Das wird Spieler*innen immer wieder vorgehalten, aber ich kann beim besten Willen nichts Verwerfliches darin erkennen. Nicht jeder ist mit einem großen, schlanken, athletischen und elfengleichen Körper gesegnet und kann dem Klischee einer Elfe entsprechen. In diesem Fall ist ein Halbelfencharakter doch ein guter Kompromiss.

Anfänger*innen rate ich dennoch von einem halbelfischen Charakter ab, denn nichtmenschliche Charakter sind eine große Herausforderung, der man sich erst mit etwas Erfahrung stellen sollte. Ein Halbelf ist aufgrund der genannten Gründe noch undankbarer und schwieriger in der Darstellung.

Tipps für Halbelfenspieler*innen

  • Frage Dich vor der Erstellung des Charakters, warum Du einen Halbelfen spielen willst. Vielleicht stellst Du fest, dass ein menschlicher oder elfischer Charakter ebenso gut für Dich geeignet ist.
  • Mache Dir ausreichend Gedanken über die Hintergrundgeschichte Deines Charakters. Gerade bei einem Charakter, bei dem Du auf relativ wenige Klischees zurückgreifen kannst, ist das besonders wichtig.
  • Berücksichtige dabei die Frage, wie schnell Dein Charakter erwachsen geworden ist. Weicht das von seiner Umgebung ab (schneller als die Elfen oder langsamer als die Menschen), hat das Folgen für den Charakter.
  • Frage Dich, wie Dein Charakter auf Menschen, Elfen und andere Völker reagiert. Er könnte aufgrund schlechter Erfahrungen verbittert sein oder durch seine Abstammung weltoffen und vorurteilsfrei. Oder alles dazwischen.
  • Dein Charakter sollte Elemente aus beiden Völkern vereinen. Es wäre schlechter Stil, sich dabei nur die Rosinen herauszupicken: schön, langlebig und magiebegabt wie ein Elf, aber robust, stark, trinkfest und unkompliziert wie ein Mensch – als eierlegende Wollmilchsau macht man sich keine Freunde.
  • Idealerweise zeigt die Gewandung Aspekte der menschlichen und elfischen Kultur, um die Herkunft auf einen Blick sichtbar zu machen. Ein hilfreiches Element ist zum Beispiel ein Hut, weil Elfen im Larp nur selten Hüte tragen. Typisch menschliche Kleidung mit elfischen Verzierungen (oder umgekehrt) kann eine Möglichkeit sein.
  • Für mich hat es sich bewährt, so häufig wie möglich ins Gespräch einfließen zu lassen, dass ich eine Halbelfe bin. Dadurch wird zumindest den Spieler*innen, mit denen ich direkt interagiere, schnell klar, womit sie es zu tun haben, und sie können in ihrer Rolle reagieren.
  • Umgekehrt halte ich es für schwierig, einen Halbelfen zu spielen, der seine Herkunft verheimlichen will. In einer Fantasywelt wird immer auffallen, dass etwas nicht stimmt. Im Larp dagegen wird jemand, der sagt, er sei ein Mensch (oder ein Elf), auch als solcher hingenommen, selbst wenn es Unstimmigkeiten im Auftreten gibt.
  • Prinzipiell ist es denkbar, einen Halbelfen ohne spitze Ohren zu spielen. Dann müssten Gewandung und Verhalten jedoch sehr elfisch geprägt sein, um nicht einfach als Mensch durchzugehen. Wer lieber Ohren tragen möchte (und das ist die überwiegende Mehrheit), wählt am besten eine kleinere Variante. Auch missgebildete Ohren sind möglich, könnten aber zu größerer Ablehnung führen.
  • Egal, wie sehr Du Dich anstrengst: Es wird immer Spieler*innen geben, die Dich für eine*n schlechten Elfenspieler*in halten. Nimm es einfach hin, es ist sowieso nicht zu ändern!

Text: Birigt Oppermann, Bild: Emma

Dieser Artikel erschien erstmals in der Zauberwelten Herbst 2020


Die Redaktion
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