German Comic Con – Teil 2

Und, hat’s uns gefallen?

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Wie die meisten Gäste haben wir uns den Pannels gewidmet. Und ja, vieles davon hat uns gefallen. So ist die gute Moderation von Mháire Stritter im Gedächtnis geblieben, die das Publikum gut im Blick hatte und sich zurücknehmen konnte, ohne den Interviewpartner ganz zu verlieren.

Es war auch eine gute Idee, das Bühnenevent mit Manu Bennett zu starten. Der Star aus Spartacus, Arrow und dem Hobbit ist ein gefälliger Interviewpartner, hat Conventionerfahrung und weiß das Publikum für sich einzunehmen. Ein bisschen touchy wurde er später von einem Teammitglied beschrieben – wäre ich aber auch, wenn ich so rüde von der Bühne geholt worden wäre, weil die Zeit so kurz war. Vielleicht war er zu höflich, um wie die meisten Schauspieler zu reagieren: Sie dehnten ihre Zeit von läppischen 20 Minuten willkürlich aus. Das war das Ende jeder Zeitplanung, aber der Anfang vom Spaß. Wie man auf die Idee kommen kann, diese Bühnenmenschen mit 20 Minuten abzuspeisen, ist schleierhaft. Die meisten werden in dieser Zeit gerade mal warm. Auch James Marsters (Buffy, Smallville) interagierte viel mit dem Publikum und kam gut an.

Die doppelt besetzten Pannels waren schwieriger, ich hatte mir zum Beispiel mehr von dem Interview mit den Game of Thrones-Gästen: Rory McCann und Nathalie Emmanuel erhofft – vielleicht wäre es besser gewesen, zwei Stars zusammen auf die Bühne zu bringen, die sich wenigstens persönlich kennen. Besser fand ich da das Interview mit Laurie Holden und Addy Miller von The Walking Dead, die lebhafter auf der Bühne wirkten. Während gerade Fans von Lea Thompson und Michael Dudikoff begeistert waren, wirkten der Punisher-Star Thomas Jane und Wiliam Baldwin auf viele Besucher eher desinteressiert.

Da war es sich Stanislav Ianevski einfacher: Er kam einfach gar nicht zur Bühne. Vielleicht hat ihm keiner Bescheid gesagt. So konnte Jason Isaacs einen großen Auftritt bieten, der dem großartigen und wunderbar langen Auftritt seines schottischen Kollegen Sylvester McCoy in nichts nachstand.

Insgesamt hätte ich mir in der Moderation mehr Fragen nach der Gegenwart der Schauspieler gewünscht. Hey, was machst Du jetzt, was willst Du noch drehen – welches Genre interessiert dich noch? Die Fragen nach der Vergangenheit werden vom Publikum zur Genüge gestellt. „Sind sie in der nächsten Staffel noch dabei?“ -“Nein? – Würden sie sich wünschen, wieder dabei zu sein? – Sind sie sicher, dass sie nicht doch dabei sind?“ Da muss man auch als Schauspieler ein dickes Fell haben.

Dinos Abenteuer

Aprospos dickes Fell: Da ist dieser Dino, den Orkenspalter in einem unglaublich genialen China-Abenteuer nach Deutschland gebracht hat, und den ich hier das erste Mal wirklich live erleben durfte. Ein super Ding – muss man gesehen haben. Ich finde es cool, wenn er auf einer Convention auftaucht und kann ihn echt gut leiden. Ich kann ihn sogar ausgesprochen gut leiden: Er ist ein hammer-scharfes Teil. Aber in dieser Halle – der mit den zu wenigen Sitzplätzen, dem Pizzastand, dem eleganten Absperrband für die Sitzreihen 1-3 und der sich stauenden Publikumsmenge im hinteren Raum – kann man verdammt noch mal nix, aber auch gar nix verstehen, wenn der Dino brüllend hinter einem entlang läuft. Mensch!

Und das unglaubliche Entertainment und die Fotoshootings?

Die Wrestler haben sich redlich Mühe gegeben und bei ihren Auftritten ein größeres Publikum um sich versammelt. Hier wäre vielleicht eine große Leinwand angebracht gewesen, denn dann hätten auch die Messegäste etwas sehen können, die über eine halbe Stunde an einem der wenigen Essensstände anstanden. Stehtische wären auch schön gewesen, aber so ein Fußbodenplatz ist ja auch ganz schnuckelig.

Auch die Fotoshootings haben wohl einige frustriert. Der Andrang war groß und die Schlange erstreckte sich weit über die Mitte der Halle, sodass Passanten sich daran vorbei drängeln mussten. Immerhin führte das zu lustigen Interaktionen: „Hey, seid ihr die Mitte der Fotoschlange oder das Ende der Pommesschlange?“ – „Pommes!“ – „Ach Mist.“ Auch bei den Fotos bestand das gleiche Zeitproblem wie bei den Pannels; man musste sich also frühzeitig einreihen. Die Berichte über das Ergebnis sind geteilt. Es sammeln sich Beschwerden über verwackelte Fotos und fehlende Orientierung bei der Abholung.

Und die Kostüme!

Da war es in der Cosplay-Ecke schon einfacher. Unter Akademie hatte ich mir zwar etwas anderes vorgestellt als eine Tischreihe, aber die Profis waren souverän, kontaktfreudig und nett. Sie haben ihre Sachen vorgestellt und angeboten, Tipps gegeben und freundliche Gespräche geführt. Genau das, was man sich von so einem Kontakt wünscht.

Insgesamt waren die Cosplayer – oder besser: ihre ausgesprochen tollen Kostüme – ein Highlight der Comic Con. Sehr nett die Spinnenfrau, die sich mit ihrem ausladenden Kleid nicht vom Platz bewegen durfte. Aber auch der Ironman war großartig, der noch in den Kindergarten gehen dürfte. Auf der Bühne konnten noch einmal alle zeigen, was Cosplay zu bieten hat. Und zu meiner persönlichen großen Freude war ziemlich viel Superhelden-Cosplay vertreten. Das hat die Comic Con aufgewertet.

Neben diesen ganzen Aktionen und dem vielfältigen Merchandise konnte man fast vergessen, dass man auf einer Comic-Messe war. Dabei waren viele motivierte Künstler vor Ort; Cross Cult, Splitter und Tokyopop hatten reichlich Zulauf. Und die Besucher waren auch vielseitig interessiert. Zwar gab es keinen Panini-Stand auf der Messe und Carlsen ist nicht direkt ins Auge gefallen, dafür war das Merchandise bezahlbar und das Sortiment vielfältig.

Fazit

Wir waren also sehr kritisch – ihr habt es ja gelesen. Aber wir haben auch die Besucher der Messe befragt. Oft haben wir Gelegenheitsbesucher erwischt, für die eine Convention ein bisher einmaliges Ereignis war. Aber wen wir auch gefragt haben, er zeigte sich mit dem Event zufrieden. Man amüsiere sich gut und das sei die Hauptsache. Ja, es habe Kritikpunkte gegeben, die Orga sei überfordert gewesen, aber alles in allem wäre es doch gar nicht schlecht für das erste Mal.
 
Das erste Mal von was – frage ich mich. Das erste Mal Comic Con vielleicht, aber doch nicht das erste Event in der Szene, oder? Die German Comic Con war nicht die erste dieser Art, nur die erste dieses Namens. Immerhin fand vom 06.-08.11.2015 das Weekend of Hell in der Turbinenhalle in Oberhausen statt, auf über 7000 deutlich liebevoller dekorierten Quadratmetern, Veranstalter Thomas Hartz. Dort gab es entsprechendes Ambiente, internationale Topstars, passende Dekoration, Autogrammstunden, Fotoshootings, eine Cosplay Zone, eine Comic- und Game-Area … kommt mir so bekannt vor.

Für uns war die German Comic Con vor allem ein Popkultur-Event. Und wir wollten wissen, ob es auch DAS Popkultur-Event im kleinen Rahmen widerspiegeln würde, dem es seinen Namen verdankt. Für uns tat es das nicht. Der Comic-Bereich hatte seine Stärken, mehr davon wären gut gewesen. Der Entertainment Bereich – hinter den Schlangen lag das verheißene Land: Nein, der hat mir nicht gereicht. Es muss doch mehr Entertainment geben, als Fotoschlangen und Wrestling.

Die Pannels: Ja, es waren wirklich gute Pannels dabei. Aber können die sich mit einer RingCon messen? Wohl eher nicht.

Sicher, das Ticket ist günstiger – wenn man mal von den VIPs absieht. Aber wo lag der Gegenwert für ein VIP Ticket von 79 bis 129 Euro? So wertvoll sahen die zusätzlichen Taschen nicht aus. Und mit Absperrband abgetrennte Stühle können es wohl auch nicht sein. Aber vielleicht waren diese Gruppenfotos mit allen Gästen ja der Hammer! Sonst lässt es sich nicht erklären.

Für mich war es ein Event unter vielen. Vielleicht muss ich nach Köln zu einer Comic-Messe gehen, wenn ich Comic hautnah haben will. Nach Essen, wenn ich kaufen will und nach Leipzig, wenn ich Publikumskontakt haben mit den Verlagen möchte. Oder nach Münster, wenn ich nur das Movie-Event brauche. Vielleicht schafft aber auch die Comic Con Germany die Glanzleistung, an der die German Comic Con vorbeigeschlittert ist – eine Comic Con, die über die normalen Events hinaussticht: organisiert, dekoriert, unvergleichlich, atmosphärisch. Mit inszenierten Pannels und hervorgehobenen Artists im Bereich Cosplay und Comic-Art – und damit meine ich auch die Autoren und Entertainment. Das wünsche ich mir – und zu Weihnachten darf man sich alles wünschen.

Autorinnen: Ivonne Maschmeier und Corinna Vanvlodorp
Fotos: Filipe Tavares

Hier geht es zum ersten Teil des Berichts über die German Comic Con.

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