German Comic Con Berlin

Gute Stimmung & coole Gäste

// Veranstaltungen

Nachdem Deutschland bis 2015 ganz ohne große Comic Convention auskommen musste, gibt es in diesem Jahr nun gleich drei davon. Am 15. und 16. Oktober 2016 fand die German Comic Con (nicht zu verwechseln mit der Comic Con Germany) erstmals in der Messe Berlin statt, laut Veranstalter mit über 30.000 Besuchern auf rund 24.000 qm Ausstellungsfläche.

Die Tickets für Samstag waren schon Wochen zuvor ausverkauft und die Veranstalter hatten anscheinend kein Kartenkontingent für die Tageskasse vorgehalten, sodass etliche Besucher enttäuscht wieder abziehen mussten. Einige der Stargäste – wie Billie Piper (Doctor Who) oder Christopher Lambert (Highlander) – waren nur am Samstag vor Ort, was diesen Tag besonders begehrt machte.

Damit sind wir auch schon bei der größten Schwäche der GCC Berlin: die Organisation. Anscheinend hatten die Veranstalter nicht mit einem so großen Andrang gerechnet, am Samstag gab es lange Schlangen, unsinnige Einlassprozeduren, großes Gedränge in den Gängen und insgesamt einfach Chaos. Schon am ersten Tag waren alle Programmhefte weg, sodass man sich nur an den Plänen, die vereinzelt an den Wänden hingen, orientieren konnte. Und die auf der Homepage angekündigten Lagepläne wurden dort nie veröffentlicht.

Auch auf dem Weg zum Veranstaltungsort fiel der eklatante Mangel an jeglicher Beschilderung auf. Als Berlinerin machte mir das nichts aus, aber wenn ich aus einer anderen Stadt angereist wäre, hätte ich mir in dieser Hinsicht mehr Service gewünscht. Zudem war der Außenbereich lieblos – oder eher gar nicht gestaltet – und die Werbung für Warcraft: The Beginning dominierte den Eingang, sodass das wesentlich kleinere German Comic Con-Logo fast unterging.

Kostümierte Besucher und Comic-Künstler zum Anfassen

Nicht zu übersehen waren dagegen die vielen vielen Cosplayer oder anderweitig kostümierten Besucher, die die Veranstaltung zu einer wahren Augenweide machten. Auf ihr Outfit angesprochen oder nach einem Foto gefragt, ergaben sich schnell nette Gespräche und lustige Begegnungen. Auch die verschiedenen Comic-KünstlerInnen freuten sich, wenn sie mit Besuchern ins Gespräch kamen und von ihren Projekten erzählen konnten. Einige der Indie Talents berichteten jedoch, dass die Besucher recht zurückhaltend seien und sie sich mehr Zuspruch gewünscht hätten. Die bekannteren Comic-Zeichner wie Don Rosa hatten dieses Problem natürlich nicht.

Neben dieser Artists Alley gab es natürlich vor allem eins: Verkaufsstände mit den üblichen Merchandise-Artikeln, Comic-Heften, Cosplay-Zubehör und nicht zuletzt mit ziemlich gutem Essen.
In den zwei Hallen verteilt standen auch einige unbelebte Stars für Selfies, u.a. ein DeLaurean (Zurück in die Zukunft), K.I.T.T. (Knight Rider), der Tumbler (The Dark Knight) oder die TARDIS (Doctor Who). Weitere Spielereien waren eine Greenbox und ein Nerfgun-Schießstand, verschiedene Glücksräder und diverse Fotogelegenheiten mit professionellen Doppelgängern wie Spock Vega oder Cosplay-Gruppen wie die German Garrison.

Gegen Preise zwischen 20 und 80 Euro konnten Foto-Shootings mit den richtigen Stars gebucht werden, wobei es wie bei solchen Veranstaltungen üblich natürlich keine wirklichen Shootings waren, sondern eine Sache von wenigen Augenblicken. Das Foto gab es dann gleich im Anschluss ausgedruckt zum Mitnehmen – allerdings nur im Din A5-Format, obwohl sie vorher ausdrücklich als Din A4 angekündigt worden waren, was viele Besucher sehr verärgerte. Auch die Autogramme kosteten extra (in ähnlicher Preisspanne), was zwar eine ziemliche Abzocke, aber leider mittlerweile die Regel auf Comic Conventions ist.

Lockere Star-Gespräche

Daneben gab es – umsonst! – Podiumsgespräche mit den Stars, bei denen sie auch Zuschauerfragen beantworteten. Die als große Bühne bezeichnete Main Stage entpuppte sich als putziges Podest, das ebenso wie die kleinere Cosplay-Bühne einfach in die Halle eingebaut und nur unzureichend durch Stellwände abgetrennt war. Durch den Lärm drumherum war die Akustik lausig, die Bestuhlung bestand aus sehr engen Klappstuhlreihen, also alles andere als beeindruckend. Dafür erzeugte es eine recht kuschlige Atmosphäre, man war nicht so weit weg von den Stars auf der Bühne, und das erwies sich als positiver Aspekt dieser Comic Con: die lockere Stimmung und die Publikumsnähe der Stargäste.

So plauderte beispielsweise James Marsters (Buffy the Vampire Slayer, Smallville) gutgelaunt von seiner Zeit bei bei Buffy, über die Zusammenarbeit mit Joss Whedon und seine Schauspielerkollegen. Zuschauerfragen beantwortete er witzig und charmant und nahm umstandslos Mitbringsel von Fans persönlich entgegen. Auch Christopher Lloyd (Zurück in die Zukunft) gab sich herzlich und unkompliziert und sprang sogar von der Bühne (ein Glück, dass die so klein und niedrig war), um Fans zu umarmen.

Wenn sie nicht auf der Bühne oder beim Foto-Shooting waren, saßen die Stargäste an ihren Autogrammtischen, die direkt in der Halle untergebracht waren. Zwischendurch führte das zu Chaos, weil die verschiedenen Schlangen kreuz und quer durch die Halle führten und man sehr lange anstehen musste. Zu anderen Zeiten war es fast, dann konnte man auch den einen oder anderen Blick auf die Stargäste werfen. Gäste wie Natalia Tena (Harry Potter, Game of Thrones) waren dann sogar für ein Pläuschchen bereit und ließen sich die Hand schütteln. Andere wie Ray Park (Star Wars) missachteten das Selfie-Verbot der Veranstalter und ließen sich von und mit Fans fotografieren. Auch konnte man den einen oder anderen Schauspieler beim Gang durch die Ausstellung antreffen.

Die größten Stars waren für mich aber die vielen Cosplayer mit ihren unglaublich aufwändig und liebevoll gestalteten Kostümen. Für sie gab es einen Cosplay-Contest, eine Reparatur-Station und hoffentlich viel positives Feedback von den anderen Besuchern. Verglichen mit anderen Veranstaltungen könnte der Cosplay-Bereich aber durchaus noch ausgebaut werden, zum Beispiel mit besserer Werbung für den Wettbewerb (der an mir leider völlig vorbeigegangen ist), mehr Workshops oder organisierten Gruppentreffen für Cosplayer desselben Fandoms.

Fazit

Wer zuvor schon die deutlich größere und besser organisierte CCG in Stuttgart besucht hatte, war in Berlin sicher erstmal enttäuscht, was aber im Laufe des Tages durch die gute Stimmung von Besuchern und Stars ausgeglichen werden konnte. Für Fans aus Berlin und Umgebung hat sich der Besuch sicherlich gelohnt, längere Anreisewege würde ich mir aber für eine größere Veranstaltung aufheben. Alles in allem also eher durchwachsen, ein netter Anfang, aber auf jeden Fall noch ausbaufähig, vor allem, was die Organisation angeht. Ich bin gespannt, was die nächste GCC in Dortmund bringt, und ob die Veranstalter aus den Fehlern in Berlin gelernt haben.

Webseite: German Comic Con

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