Interview: Farina de Waard

Vermächtnis der Wölfe

// Literatur

„Wie hätte sich unser Europa entwickelt, wenn die Pest nicht nur einmal Mitte des 14. Jahrhunderts gewütet hätte? Wenn Krankheit, Krieg und Rückschläge in der Entwicklung der Gesellschaft häufiger und brutaler aufgetreten wären?“ Diese und andere Fragen stellte sich Farina de Waard bei der Entstehung ihrer Fantasy-Welt Tyarul. Was daraus erschaffen wurde, ist eine Paralleldimension, geprägt von alten Kriegen und Krankheiten und seit einigen Jahrzehnten auch einer fest etablierten Diktatur.

ZWO: Du schreibst auf deiner Website, dass du durch einen Traum zum Schreiben gekommen bist. Magst du uns ein bisschen von diesem Traum erzählen? Und auch von den ersten Geschichten, die daraus entstanden sind?

In diesem Traum schlüpfte ich in die Haut meiner heutigen Hauptperson Zenay. Ich wurde entführt! Das war eigentlich ein Albtraum … aber es war so real und faszinierend, dass ich kaum Furcht empfand. Es war fast so, als wäre ich wirklich dort, wie ich durch die düsteren, muffig riechenden Gänge geschleift wurde, rechts und links von mir riesige Männer mit gelb glühenden Augen und spitzen Zähnen, die im Fackellicht blitzten … ich wurde zur Königin gebracht und wachte erst auf, als sie auf mich zuschoss und mich packte! Das war mitten in der Nacht und dennoch bin ich aufgestanden und habe es aufgeschrieben. So ist der erste Teil der Geschichte aufs Papier gekommen.

ZWO: An dem Universum von Vermächtnis der Wölfe schreibst du schon recht lange … was stand als Erstes von der Geschichte fest? Und was hat sich bis heute gehalten?

Als Erstes waren es die wenigen Seiten, die durch den Traum entstanden sind. Danach wuchs die Geschichte in beide Richtungen, indem ich mir Gedanken machte, wieso meine Hauptperson in dieser Situation gelandet war, und was danach alles passieren könnte. Diese Entführungsszenerie ist bis heute erhalten, allerdings, wie alles andere auch, mehrmals überarbeitet worden.

ZWO: Den ersten Band von Vermächtnis der Wölfe hast du „nach reiflicher Überlegung“ (laut deiner Website) im Alleingang herausgebracht – du bist also Autorin und Verlegerin. Wie ist es dazu gekommen? Und wie ist diese Doppelrolle bis heute für dich?

Ich habe mir tatsächlich lange Gedanken darüber gemacht, wie ich mein Buch auf den Markt bringen sollte. Nachdem ich mich dazu entschieden hatte, dass ich es veröffentlichen will, besorgte ich mir einige Ratgeber, las viel in Portalen über die Arbeit als Selfpublisher und Verlagsautor nach. Nach und nach kristallisierte sich für mich der Eindruck heraus, dass ich als Autor, der sehr sehr viel Zeit und Liebe in sein Projekt gesteckt hatte, mich wie ein Bittsteller an die Verlage wenden musste. Ich wollte aber beweisen, dass ich es „wert bin“, und wollte außerdem meine Freiheit bewahren. Deshalb gründete ich meinen eigenen kleinen Verlag und machte mich daran, in den Buchhandel einzusteigen. Das ist einerseits sehr spannend, weil ich vieles ganz anders lerne, als wenn ich nur Autor wäre. Ich bin meine Marketingabteilung, meine Buchhaltung, mein Verleger und mein eigener Chef … manchmal ist es allerdings auch sehr anstrengend, die Disziplin für all das aufzubringen und die Energie, Werbung zu machen, da kommt das Schreiben doch auch mal ein bisschen kurz.

ZWO: Bei einem schnellen Erfolg spricht man oft von hohen Erwartungen, die folgen … wie ist das für dich, nachdem du für Zähmung den Indie-Autor-Preis 2015 der Leipziger Buchmesse gewonnen hast?

Die Erwartungen an mich selbst sind tatsächlich gestiegen. Insgeheim träumte ich danach wohl vom „großen Durchbruch“ und dass sich die Bücher zu Hunderten von selbst verkaufen würden. Eine Zeitlang gab es diese Tendenz tatsächlich, aber es flaute nach und nach wieder ab (Sommerloch eben). Damit habe ich auch ein bisschen zu kämpfen, da es mich zur Zeit sehr drängt, viel mehr zu schreiben, als Verlagsarbeit zu machen – das schlägt sich jetzt auch im Verkauf nieder. Dennoch verspüre ich immer noch dieses Hochgefühl vom Frühling und möchte noch weit kommen =)

ZWO: Am 15. Juli ist auch der zweite Band deiner Reihe erschienen – Zorn veröffentlichst du nun nicht mehr ganz in Eigenregie. Wie kommt es zu diesem Wandel? Und wie ist das für dich, auch mit einem Verlag zusammenzuarbeiten?

Droemer Knaur kam nach der Preisverleihung auf mich zu und hat mir ein tolles Angebot gemacht, bei dem ich nicht nein sagen konnte. Außerdem war ich neugierig, wie die Arbeit mit einem Verlag ablaufen würde, und da ich eben wieder mehr schreiben will, fand ich die Idee, dass ein Verlag für mein Buch Werbung macht und es verkauft, sehr verführerisch. Es ist jetzt zweieinhalb Monate auf dem Markt und ich bin zufrieden mit dem Ergebnis.

ZWO: Und zu guter Letzt: Mit deiner Reihe Vermächtnis der Wölfe hast du ja noch einiges vor … immerhin arbeitest du auch schon 9 Jahre daran. Wie viele Bände soll es insgesamt geben? Und steht das Ende schon fest?

Es sollen insgesamt sechs Bücher werden, wobei ich mir auch noch die Option freihalte, ein Prequel über das Leben der Königin und ihre Jugend zu schreiben – da habe ich schon einige Ideen, denn ich habe ja ihr Leben ausgearbeitet, um sie in ihrer jetzigen Situation besser verstehen zu können. Das Ende … steht schon grob fest, wobei ich mich bei ein paar Dingen noch nicht entschieden habe, wie sie ins „große Finale“ mit einfließen werden.

Das Interview führte Christina Löw. Vielen Dank an Farina de Waard für das herzliche (E-Mail-) Gespräch!

Website: Die Roman-Reihe Vermächtnis der Wölfe


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