Far Cry Primal

Extrem-Camping im Lande Oros

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Lange vor der Smartphone-Ära gab es eine Zeit, in der Menschen mit der Natur im Einklang waren. Die Täler wurden von exotischen, großen haarigen Nashörnern und Mammuts bevölkert. Gefährliche Säbelzahntiger machten die Gegend unsicher und konnten zu einer großen Gefahr für die unter freiem Himmel lebenden Urmenschen werden.

Genau so einen Urmenschen verkörpern wir in Far Cry Primal. Wir gehören zum Stamm der Wenja. Um unsere Leute vor dem Verhungern zu retten, gehen wir auf Mammutjagt. Mit perfektem Teamwork trennen wir ein Jungtier von der Herde und behaken es mit Speeren. Als der Gigant in die Knie sinkt, jubeln meine Stammesmitglieder. Der Hunger hat ein Ende. Doch dann geht alles schief: Ein besonders blutrünstiger Säbelzahntiger dezimiert fast unsere ganze Gruppe und wir kommen gerade noch schwer verletzt mit dem Leben davon.

Survival of the Fittest

Von nun an gilt es, unseren Stamm wieder zu vereinen und die Vorherrschaft der Wenja im Lande Oros zu sichern. Dazu müssen wir unser Dorf, welches zu Beginn nur eine kleine Höhle ist, weiter ausbauen. Wir müssen Unmengen an Rohstoffen sammeln und die überall vertreuten Wenja vor den rivalisierenden Stämmen
retten. Darunter befinden sich auch spezielle Charaktere wie ein Schamane, eine Jägerin oder ein Krieger, von denen wir neue Fertigkeiten lernen können. Bevor sich diese unserem Dorf anschließen, müssen wir erst noch eine Aufgabe für sie erledigen.

Die Hintergrundgeschichte ist anders als in den Vorgänger-Spielen nicht durch einen klar erkennbaren roten Faden geprägt. Es gibt keinen charismatischen Bösewicht, dessen Schergen wir bekämpfen. Im Norden treiben die kanibalischen Udam unter der Führung von Ull ihr Unwesen. Im Süden terrorisiert der Stamm der Izilla unter der Leitung von Batari unsere Leute. Ihre Spezialität ist das Feuer. Doch beide Stämme handeln aus Furcht vor einer anderen Gefahr: Mit Hilfe des Schamanen bekommen wir in abstrakten Visionen einen sehr kunstvoll inszenierten Einblick in die Ängste der feindlichen Stämme.

Auf die gleiche Weise lernen wir zu Beginn auch das Zähmen von Tieren. Als wohl wichtigstes Tier kämpft eine riesige Eule auf unserer Seite. So können wir die feindlichen Lager aus der Luft ausspähen und Gegner markieren. Später kann unsere Eule auch Bomben werfen und tödliche Sturzangriffe ausführen. Danach braucht es allerdings fast eine Minute, bis sie wieder einsetzbar ist. Man könnte behaupten, sie sei die Drohne der Steinzeit. Auf diese Weise können wir ohne Gegenwehr ganze Lager erobern und sacken die vierfache Anzahl an Erfahrungspunkten ein, da wir selbst nicht entdeckt werden. Scheuchen wir aber dennoch mal Gegner auf, wissen diese sofort genau, in welchem Busch wir uns versteckt haben; egal ob dieser etliche hundert Meter vom Lager entfernt ist. Sie laufen zielstrebig darauf zu. Wir verstehen, dass Ubisoft es uns nicht zu leicht machen wollte, aber es ist dennoch frustrierend und ergibt wenig Sinn. In den Vorgängern war dies cleverer gelöst.

Mein Freund der Bär, Tiger oder auch mal Dachs

Viel mehr Spass macht daher aber das Jagen und Zähmen selbst. Mit einem Köder locken wir wilde Tiere an und lassen sie danach auf unserer Seite kämpfen. Sehr früh können wir dadurch schon einen mächtigen Säbelzahntiger zähmen. Das Tier greift eigenständig an und hält uns gefährliche Wolfsrudel vom Hals. Wem das zu einfach ist, der kann sein Tier auch wegschicken, oder nur kleine Tiere wie einen Dachs zur Unterstützung rufen. Das kann ein Vorteil sein, wenn man bei der Infiltration nicht entdeckt werden will.

Da wir keine modernen Waffen benutzen können, bauen wir uns aus natürlichen Rohstoffen sowohl Pfeil und Bogen als auch Speere und Keulen. Im weiteren Verlauf können wir immer mehr davon tragen und ihre Haltbarkeit deutlich steigern. Wie es sich für einen guten Jäger gehört, haben wir einen Jägerblick, mit dem wir nachts besser sehen und Fußspuren verfolgen können. Das Orostal ist gigantisch und von Gebirgszügen umringt. Überall gibt es etwas zu entdecken. In tiefen Höhlen finden wir Wandmalereien, leicht deplaziert wirkende Alienpilze, die im Dunkeln leuchten, und geheime Vorratslager. Wir entdecken aber auch jede Menge wilde Tiere, deren Pelze wir gut gebrauchen können.

Es vergeht kaum eine Minute, in der nicht ein Rudel Wölfe an uns vorbeistürmt, und in der Ferne kämpft immer irgendwo ein Wenja gegen Izilla, Udam oder Raubtiere. Das Zufallsereignis wird uns dann unmittelbar auf dem Bildschirm angezeigt, sodass wir sofort eingreifen können. Dadurch wirkt das Gelände so überbevölkert, dass wir eigentlich zu keinem Zeitpunkt von einer einsamen Wildnis sprechen können.

Wenn die Nacht hereinbricht, verändert sich das Verhalten der Tiere. Raubtiere werden mutiger, aber andere Tiere verschwinden bis zum Tagesanbruch ganz. Manche Missionen sind sogar nur nachts anwählbar. Dann müssen wir uns beeilen, denn die Nächte sind extrem kurz und sobald der Tag anbricht, wird die Nachtmission unterbrochen. Das wird schnell frustrierend, weil es dann zügig und wenig taktisch gehen muss. Besonders fällt dies bei der Jagt nach den legendären Bestien auf. Die Hatz auf den Blutfang-Säbelzahn erstreckt sich über drei virtuelle Tage, weil er immer nur einmal kurz auftaucht und dann erst am nächsten Abend wieder erscheint. Aber da er auch zu den stärksten zähmbaren Bestien gehört, ist er den Aufwand letztlich wert.

Vergrößern wir unser Dorf fleißig, finden wir jeden morgen Materialien, die unsere Dorfbewohner gesammelt haben. Die wirklich seltenen Rohstoffe muss man
allerdings selber suchen. Besonders später erfordern die Upgrades ausschließlich seltene Ressourcen, die man nur zufällig entdeckt. Die Belohnung für aufgerüstete Behausungen sind meist eher enttäuschend. Für 3000 Erfahrungspunkte bekommen wir maximal zwei Skillpunkte, die wir in zahlreiche neue Fähigkeiten stecken können. Gezieltes Sammeln wird daher zur Fleißarbeit.

Fazit

Dennoch ist Ubisofts steinzeitliche Überlebenssimmulation erfrischend motivierend. Das naturbelassene Land Oros, die zahlreichen Tiere, die Belohnung für das Erforschen der Umgebung und der Aufstieg zum ultimativen Bestienmeister. Das Verhalten und die eigens für das Spiel entwickelte Steinzeitsprache vermitteln eine einzigartige Atmosphäre. Die Charaktere verhalten sich ihrer Zeitepoche entsprechend wild und primitiv. Das wirkt sympathisch, aber auch befremdlich, ja sogar verrückt für einen Spieler der 12.000 Jahre später vor seinem hochmodernen Bildschirm sitzt und die Regeln der Zivilisation befolgt. Sei es das Stammesmitglied, das Ohren sammelt, oder der Schamane, der uns für die Visionen Blut mit Eingeweiden trinken lässt, wir akzeptieren es im Rahmen des Settings und schmunzeln ein wenig.

Das Missionsdesign ist letztlich eher repetetiv und das Erobern von Lagern entspricht der bekannten Ubisoft-Formel des territorialen Abgrasens der Karte. Das Erkunden und Meistern der Fähigkeiten unterhält trotzdem für Stunden. Ein Wiederspielwert ergibt sich nur bedingt. Allerdings hat der Entwickler dafür nun Abhilfe geschaffen: Mit dem April-Update reicht Ubisoft einen fordernden Überlebensmodus mit Permadeath, Ermüdungserscheinungen und reduziertem Display ohne Karte nach. Außerdem sind die Nächte nun länger und gezähmte Tiere sind nicht mehr wiederbelebbar. Es ist jedoch schade, dass Far Cry Primal nur einen Spielstand pro Account erlaubt. Wer sich also nun am Überlebensmodus versucht, riskiert, seinen gesamten Fortschritt zu verlieren.

Far Cry Primal
Plattform: PS4, XBox One, PC
(Ubisoft, 2016)
Webseite: Far Cry Primal

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