Der Erbe des Skorpions

Der Große Skorpion ist tot. Lang lebe der Große Skorpion!

// Literatur
Der Erbe des Skorpions - News
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Unter den Skorpionen, dem Herrschergeschlecht von Oramar, kann es immer nur einen geben, der den Thron besteigt. Der letzte Große Skorpion, der Padischah von Oramar, hatte bei seinem Tod allerdings recht viele Nachkommen hinterlassen: nicht nur einige Söhne, sondern auch diverse uneheliche Kinder. So gibt es doch etliche, die ein Recht auf den Thron haben – und dieses auch wahrnehmen wollen. Töten, um zu herrschen, wird zur Prämisse des erbitterten Bruderkriegs.

Es kann nur einen geben!

Diesem Ruf folgt vor allem Prinz Weszen, über den gemunkelt wird, er habe bei dem Ableben seines Vaters nachgeholfen … Als aktueller Herrscher über die Stadt Ugir hat er gerade einen Sohn und Erben bekommen, sich selbst zum Ugir-Schah ernannt sowie seine Frau Caisa zur Schahsana.

Allerdings wird dieser Einzelband, der an das Universum der Schattenprinz-Trilogie anknüpft, nicht aus der Sicht von Weszen erzählt, sondern aus der Perspektive von Jarok.

Vor vielen Jahren, als Jarok fast noch ein Kind war, ist er in den Dienst des damaligen Herrschers von Oramar getreten und hat sich dort schnell einen guten Ruf als Falkner erarbeitet. Diese Tage endeten jedoch durch den Bruderstreit um die Herrschaft. Not und die Suche nach einem festen Auskommen haben Jarok vor einigen Monaten nach Ugir gebracht, wo er Arbeit als Wachposten im Dienst von Prinz Weszen angenommen hat. Nur sein Eisgreif Hrima und sein alter, erblindeter Lehrer Bors sind Jarok aus der Zeit vor Ugir geblieben. Vor allem durch seine außerordentliche Fähigkeit des Fährtenlesens – auf Tier und Mensch bezogen – ist Jaroks Gruppe der Wachposten schnell als Blutwölfe bekannt und erregt auch die Aufmerksamkeit von Weszen.

Aufstieg und Fall

Rasch wird Jarok befördert: Er steigt in kurzer Zeit unter den Beschützern Weszens immer höher auf und wir letztlich sein persönlicher Leibwächter. Als solcher zieht er zusammen mit dem Ugir-Schah und seiner Armee in die Schlacht gegen dessen Brüder. Immer mit dabei ist auch Jaroks Kampfgenosse Barak, der vor Herausforderungen nicht zurückschreckt, Jarok aber mit seiner Skrupellosigkeit nicht ganz geheuer ist. Im Laufe der Zeit stellt sich Weszen nicht nur als begründet paranoid heraus, sondern entpuppt sich als gänzlich wahnsinnig: Jeder einzelne mögliche Bastard seines Vaters soll umgebracht werden, um ihm selbst die Thronfolge zu sichern.

Das ist der Moment, in dem Jarok die Seiten wechselt. Zunächst, weil er einen solchen Herrscher nicht unterstützen möchte. Später auch aus anderen Gründen …

Nicht nur Oramar und die anderen Söhne des alten Padischahs erheben sich schließlich gegen den Ugir-Schah, sondern auch der Seebund und selbst die Dalmatier – die Bewohner von Jaroks ursprünglicher Heimat. Angestachelt durch die Aussicht auf Beute und getragen von dem Glauben an die mythische Wiederkehr des mächtigen Kriegers mit dem Greifen, der ihnen zu neuem Ruhm verhelfen soll, ziehen sie in den Kampf.

Und einen Eisgreifen hat er auch noch …

Jarok ist mit seinen Eigenschaften und Charakterzügen eigentlich ein sehr klassischer Held: Es geht ihm zu Beginn nicht sonderlich gut und auf dem Weg zum Aufstieg muss er verschiedene Aufgaben meistern, die ihn auf Herz und Nieren prüfen. Nur um erneut zu Boden geworfen zu werden, von wo aus er sich aus eigener Kraft zu Höherem aufschwingen muss.

Von Anfang an ist eigentlich klar, dass sich mehr hinter diesem jungen Mann verbergen muss, der bei Der Erbe des Skorpions zunächst am Rande des Geschehens steht, aber dennoch die Hauptfigur ist. Schnell steht fest, dass er sich zum Helden mausern wird. Trotz seiner Vorhersehbarkeit als stilisierte Heldenfigur ist Jarok nicht zweidimensional und langweilig. Er ist eben doch nicht immer allzu klassisch tugendhaft, sondern spielt manchmal selbst nicht nach allen Regeln.

Und außerdem hat er einen Eisgreifen. Alle Geschichten, in denen es keine Drachen gibt, sollten einen Eisgreifen haben. Auch wenn die Beziehung zwischen den beiden nicht im Vordergrund steht, so macht diese Ebene alles noch ein bisschen lebendiger – überdies ist Hrima für die Geschichte selbst auch nicht unbedeutend.

Ja, teilweise sind die Ereignisse etwas zu gut vorherzusehen. Ja, es gibt einige Charaktere, die sehr archetypisch gehalten sind. Und ja, die Handlung überrascht im Großen und Ganzen nicht. Aber dennoch macht es Spaß, der Geschichte von Jarok zu folgen. Der Roman lässt sich eben auch trotz der recht komplexen Zusammenhänge gut lesen. Außerdem gibt es für Leser des Einzelbandes Die Tochter der Schwarzen Stadt, der ebenfalls in diesem Fantasy-Universum spielt, einige Querbezüge zu entdecken.

Weitere Rezensionen zu Romanen von Torsten Fink:

Der Erbe des Skorpions
Torsten Fink
(Blanvalet, 2015)
608 Seiten, Paperback
ISBN: 978-3-7341-6011-0
Webseite: Der Erbe des Skorpions

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