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Eleanor Bardilac

Zwischen Tod und Hoffnung

Kategorie: Sonstiges
Tags: Interview Queere Phantastik Nekromantie Düster Tod Diversität
von Ruka Jungblut (Zusammenstellung)

Eleanor Bardilac ist Germanistin und Buchliebhaberin. Ihr erstes Werk – "Knochenblumen welken nicht" – dreht sich aber nicht nur um düstere Themen, sondern stellt die Charaktere als lebende Wesen vor, die sich zwischen Licht und Schatten bewegen. Im Interview gibt sie uns einen Einblick in die Hintergründe ihrer Arbeit.

Ruka (Zauberwelten-Online): Liebe Eleanor, erst einmal vielen Dank, dass Du ein Interview mit uns führen möchtest. Du bist die Autorin des Buches Knochenblumen welken nicht, eines Fantasybuchs, das in einer düster-magischen Welt spielt. Magst Du Dich kurz vorstellen und uns erzählen, wie Du zur Phantastik gekommen bist?

Eleanor: Erst einmal ein herzliches Hallo! Die Phantastik war eigentlich immer schon meine große Leidenschaft. Meine ersten größeren Erzählungen waren Urban Fantasy, und auch jetzt liebe ich das dynamische Spielfeld, das gerade die Phantastik sein kann. Tatsächlich schreibe ich aber auch in anderen Genres und probiere mich immer wieder aus.

Ruka (ZWO): Warum ist es genau diese düster-magische Welt, für die Du Dich entschieden hast?

Eleanor: Ich weiß gar nicht, ob die Welt der Knochenblumen wirklich so düster ist. Ja, Vhindona hat eine Menge gesellschaftlicher Probleme und auch die Figuren, die ich in die Stadt setze, kämpfen mit ihren ganz eigenen Dämonen. Aber es gibt neben Schatten immer auch Licht, das ist mir eigentlich sehr wichtig. Vhindona selbst macht große technische Fortschritte und macht kreative Schritte in die Zukunft, und auch bei den Figuren geht es immer um die Überwindung von Trauma und Problemen. Es geht viel um Zusammenhalt und Familie, die sich erstmal findet, und für mich ist kein Werk wirklich düster, in dem Leute zeigen, wie wundervoll sie mit- und zueinander sein können.
Aber natürlich wäre ein Roman ohne Probleme nicht besonders aufregend, und wo Nekromant*innen sind, können Leichen nicht weit sein. Ich habe seit jeher eine tiefe Faszination für Tod und Sterben, zwei Themen, die für viele immer noch sehr schwierig sind, die ich aber für sehr wichtig und facettenreich halte.

Ruka (ZWO): Was dürfen sich die Lesenden von Knochenblumen welken nicht erwarten?

Eleanor: Auf keinen Fall actionreichen Plot. Ich schreibe sehr charakterfokussiert und gehe lieber bei den Figuren und dem Worldbuilding in die Tiefe. Wer daran Freude hat, wird, denke ich, auch meinen Roman gern haben. Außerdem schreibe ich explizit queer und divers, und so kommen die Knochenblumen mit (hoffentlich) schöner, ansprechender Repräsentation und Vielfalt.

Ruka (ZWO): Was sind die geheimen Botschaften in Deinem Werk? Gibt es einen tieferen Sinn, auf den Du besonderen Wert gelegt hast beim Schreiben?

Eleanor: Um direkt an die vorletzte Frage anzuschließen: Ich versuche einen positiven, gesunden Umgang mit Tod und Sterben darzustellen, im zweiten Band vielleicht noch mehr als im ersten. Letztendlich sind beide Teil des Lebens und es hilft enorm, sich mit diesem Thema sanft, aber sehenden Auges auseinanderzusetzen.
Und die zweite Botschaft wäre natürlich, dass Familie nicht immer nur aus Blutsverwandten bestehen muss. Gerade queere Menschen wissen das wohl nur zu gut. Familie und Loyalität können sehr, sehr unterschiedlich aussehen.
Drittens wollte ich gerade durch Aurelia die Botschaft vermitteln, dass man nicht sofort perfekt sein muss und dass es okay ist, durch schlimme Erlebnisse erstmal wieder den Boden unter den Füßen bekommen zu müssen. Oft sind die Auserwählten in der High Fantasy sehr jung und können nach einer kurzen Zeitspanne alles, das wollte ich vermeiden. Aurelia kann am Ende des ersten Bands zwar einiges, aber sie ist mit ihren achtzehn Jahren auch noch immer verdammt jung, und es ist in Ordnung, dass sie sich von älteren Leuten leiten lässt, um von deren Erfahrung zu lernen. Das macht sie weder unfähig noch naiv.

Ruka (ZWO): Hast Du bereits ein neues Buch-Projekt im Auge? Worauf dürfen wir uns aus Deiner Feder in Zukunft freuen?

Eleanor: Tatsächlich ja! Der fertige erste Entwurf eines in Wien angesiedelten Urban-Fantasy-Vampirromans mit dem Arbeitstitel Mitternachtslicht liegt gerade bei meinen Testlesenden. Daneben schreibe ich parallel an einem queeren New-Adult-Roman rund um zwei junge Frauen, und natürlich dem zweiten Teil der Knochenblumen. Es bleibt also weiterhin spannend und überwiegend phantastisch!

Ruka (ZWO): Wenn Du Dein Buch in einem einzelnen Tweet beschreiben müsstest, wie würde der Text lauten

Eleanor: Grantiger Nekromant adoptiert junge Frau im Zuge einer magischen Mordserie, unterrichtet sie & hütet dunkle Geheimnisse, während die Stadt, 1 magisches Wien um die Jahrhundertwende, von sozialen Unruhen gebeutelt wird. Mit dabei: Untote Affen, magische Häuser & queere Gefühle.

Ruka (ZWO): Ganz lieben Dank für die Einblicke in die Hintergründe zu Deinem Werk und Dir selbst als Autorin. Wir freuen uns schon auf weitere Werke und wünschen Dir viel Erfolg mit den nächsten Projekten! 😊

Eleanor: Vielen herzlichen Dank für die schöne Gelegenheit! :)

 

Die Autorin

Eleanor Bardilac wurde 1994 in Wien geboren, wo sie nach wie vor zusammen mit ihrer Herzensdame lebt und arbeitet. Ihre beiden abgeschlossenen Bachelorstudien in Germanistik und Komparatistik vertieften ihre langjährige Liebe zur Literatur nur noch mehr. 2021 erschien ihr Fantasy-Debütroman Knochenblumen welken nicht bei Droemer Knaur. Wenn sie nicht gerade schreibt, baut sie ihren Stapel ungelesener Bücher ab und lernt fleißig viel zu viele Sprachen.

Instagram: eleanor.bardilac

Twitter: EleanorBardilac

 

Eleanors Debut-Roman Knochenblumen welken nicht

Dunkle Magie, unheimliche Ritualmorde und eine junge Frau, die ihren Weg finden muss:
Knochenblumen welken nicht ist ein orgineller und sympathischer Fantasyroman in einem Setting, das an Wien um 1900 erinnert.

In der prächtigen Stadt Vhindona ist man stolz auf geschickte Erfinder und reiche Händler – allem, was mit Magie zu tun hat, steht man dagegen misstrauisch gegenüber. Deshalb versucht Aurelia seit Jahren, ihre magische Begabung geheim zu halten. Doch als die junge Frau Zeugin eines Mordes wird, kommt dabei auch ihr Geheimnis ans Licht, und Aurelia wird dem mächtigen Nekromanten Marius Cinna als Schülerin zugeteilt.
Als die wissbegierige junge Frau herausfindet, was wirklich hinter einer unheimlichen Serie von Ritualmorden steckt, und welche Rolle Marius dabei spielt, muss sie sich entscheiden: für ihren neuen Meister oder für ihre Heimatstadt.

Das erfrischend andersartige Fantasy-Debüt von Eleanor Bardilac begeistert mit vielschichtigen Charakteren, einer packenden Story und einer detailreichen Götterwelt.


Ruka Jungblut
Über den Autor (Zusammenstellung)

Fantasybegeisterte Katzenfanatikerin mit Hang zur Drachensehnsucht.

Artikel: Eleanor Bardilac
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