Interview: Elane

„Glenvore findet man, mit viel Glück, tief in den Wäldern oder hinter den Nebelbergen.“

// Musik

Fantasy-Folk mit keltischen Einflüssen – so lässt sich die Musik der Band Elane vielleicht am besten beschreiben. Die Musiker der Formation, Skaldir, Nico und Joran, standen bereits mit Bands wie Qntal und Faun auf der Bühne, haben auf Festivals wie dem Wave-Gotik-Treffen und dem M’era Luna Festival aufgespielt und mehrere eigene Alben produziert.

Zauberwelten: Welches Konzept steht hinter der Band? Wie ist es entstanden und wessen kreativer Kopf hat es ausgebrütet? Und wer oder was ist Glenvore?

Skaldir:
Die Ur-Idee der Fantasiegestalt Elane im Lande Glenvore stammt von Jo­ran. Auch wenn unsere Alben verschiedene Konzepte verfolgen, finden sich viele Gemeinsamkeiten, wie beispielsweise der Bezug zu Natur, Mythen und Sagen.

Joran:
Glenvore findet man, mit viel Glück, tief in den Wäldern oder hinter den Nebelbergen. In diesem Land ist die Natur noch unberührt und die Menschen tragen die Herzen am rechten Fleck. Es ist eine Welt, in die man in der heutigen Zeit nur zu gerne abtaucht. Unsere Songs haben immer fantastische und gefühlvolle Facetten und meistens eine positive Aussage.

Nico:
Joran und Skaldir haben damals als Duo das erste Elane-Demo Der Nachtwald aufgenommen. Skaldir spielte mir das Demo vor und sagte, dass er gerade aus zeitlichen Gründen nicht wirklich weiter an Elane arbeiten könne. Ich war so begeistert vom Nachtwald, dass ich Joran vorschlug, mit ihr zusammen ein Vollzeit-Album mit neuen Songs zu produzieren. Das hat wunderbar harmoniert, und The Fire of Glen­vore war dann unser erstes offizielles Album. Übrigens mit Skaldir an Bord, den wir nicht lange zu überreden brauchten.

ZW: Welche Einflüsse prägen eure Musik am stärksten? Was sind eure musikalischen Vorbilder?

Nico:
Meine musikalischen Vorbilder wechseln. Aktuell würde ich Karl Bartos, Brendan Perry und Paul Roland nennen. Aber jeder von uns hat unterschiedliche musikalische Einflüsse. Skaldir zum Beispiel kommt aus der Metal-Ecke und hat Jazzpiano gelernt. Unser Violinist Simon kommt aus dem klassischen Bereich. Neben Elane ist er häufig als Konzertmeister im Orchester tätig. Ich selbst bin mit 80er-/90er-Pop groß geworden und interessiere mich heute für alle möglichen Genres von Art Rock bis Weltmusik.

Joran:
Ich mag keltisch-orientalische Musik sehr. Loreena McKennitts Musik hat mich jahrelang geprägt und begleitet. Aber auch andere Künstler, wie Steven Wilson (Porcupine Tree/Blackfield), haben in sehr vielen Songs meine Seelenfrequenz getroffen.

Skaldir:
Es gibt immer wieder Bands, die man gut findet. Manche nur für eine Zeit. Doch manche Künstler bleiben das ganze Leben über bei einem. Meine musikalischen Vorbilder sind Dan Swanö, Henri Sorvali (Moonsorrow) und Roine Stolt (The Flower Kings, Transatlantic). Die Art, wie sie komponieren, trifft genau meine musikalische DNS.

ZW: Woher nehmt ihr die Inspirationen zu euren Liedern und Texten?

Nico:
Die Frage nach der Inspiration ist die Mutter aller Interviewfragen, und jedes Mal fällt es uns schwer, eine klare Antwort zu finden. Natürlich hat das persönliche Umfeld – die Menschen und die Heimatregion – einen starken Einfluss. Am Ende sind die Melodien oder Texte dann aber doch einfach so da. Im Falle unserer jüngsten Arbeiten – den Kai Meyer-Songs und auch dem Andor-Soundtrack – waren die Inspirationsquellen wesentlich konkreter. Da gab es Bücher und Geschichten, die wir musikalisch interpretieren durften. Eine völlig andere Herangehensweise als bei unseren vorherigen Werken. Spannend!

ZW: Ihr arbeitet gerade an einem neuen Album. Könnt ihr dazu schon etwas sagen? Wie gestaltet sich der kreative Schaffensprozess bei Elane?

Joran:
Das neue Album ist der direkte Nachfolger zu Arcane – Music inspired by the Works of Kai Meyer. Erneut haben wir Charaktere, Orte und Geschichten aus den Büchern von Kai Meyer vertont.

Skaldir:
Wir konnten uns auf Arcane 2 – so der Arbeitstitel – an die Romanvorlagen halten und das war die Grundlage. Nachdem jeder seine Songentwürfe vorgestellt hatte, formte sich langsam eine Atmosphäre und jeder in der Band nährte irgendwie die anderen mit seinen Ideen.

ZW: Außerdem habt ihr vor kurzem den Soundtrack Die Reise in den Norden, eine Erweiterung zum Brettspiel Die Legenden von Andor beigesteuert. Seid ihr selbst Spielefans oder wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Joran:
Ich mag die Andor-Spiele sehr gerne! Ich hatte deren Autor Michael Menzel angeschrieben, weil ich sein Spiel toll fand! Interessanterweise kannte er Elane und hatte sofort den Einfall, etwas zusammen auf die Beine zu stellen.

Nico:
Ja, ich spiele selbst auch sehr gern. Ob Brettspiele oder am Rechner, ich bin für alles zu haben, was eine gute Story bietet. Am liebsten sind mir Point-and-Click-Adventures. Aber ich hole heute auch noch gern mein Hero Quest-Brettspiel aus dem Keller, entstaube es und spiele mit Freunden eine Runde. Andor habe ich durch die Zusammenarbeit kennengelernt und war sofort Feuer und Flamme.

ZW: Joran, du hast ja mit Joran Elane vor einer Weile ein Soloprojekt gestartet. Warum eigentlich?

Joran:
Ich hatte zu der Zeit viel zu viele Ideen, als dass man sie mit Elane hätte produzieren können. Außerdem wollte ich es einmal alleine wagen. Es war eine schöne Erfahrung und viele tolle Künstler haben mitgewirkt. Die Produktion ist aber auch wahnsinnig viel Arbeit für einen allein. Ich möchte weitermachen, aber ein Nachfolgealbum in dem Rahmen von Glenvore wird es erstmal nicht geben.

ZW: Haben andere Mitglieder von Elane auch derartige eigene Projekte?

Skaldir:
Ich habe noch viele Projekte in verschiedenen Stilen. Over the Hill (Irish Folk), Abscession (Death Metal) und ganz neu Ash of Ashes (Folk-/Pagan Metal). Ich habe vorher bei Hel gespielt, bis wir uns Ende 2012 aufgelöst haben.

Nico:
Bei mir ist es so, dass ich mich gerne für einzelne Projekte und Sessions begeistern lasse. Oft geht das in die Soundtrack-Ecke. Morgenrots Kinder ist ein solches Projekt, das Gedichte und Musik unterschiedlicher Komponisten vereint. Ich durfte auch schon als Gastmusiker bei Paul Roland mitmachen, eine große Ehre für mich, weil er einer meiner Lieblings-Songwriter ist.

ZW: Wenn ihr auf eure Bandkarriere zurückschaut, welche ist eure liebste Erinnerung, und worauf hättet ihr getrost verzichten können?

Nico:
Es gibt so viele Geschichten, die wir uns immer wieder erzählen, wenn wir uns treffen. Meist erzählen wir uns dann – völlig überzeichnet – die schlimmsten Dinge, an die wir uns erinnern. Ich könnte jetzt ganz viele Stichworte nennen und meine Bandkollegen würden sofort loslachen. Hummel, Zahnriemen, Stromausfall oder Stahlkäfigsind immer gern genommene Schlagworte … aber lassen wir das.
Die besten Erinnerungen hängen für mich mit den Locations zusammen, in denen wir spielen durften: Paris, direkt neben dem Moulin Rouge zusammen mit Faun und Qntal, das Rammelsbergwerk in Goslar, die Schlosskirche in Wernigerode, Burg Altena gleich bei uns um die Ecke … es gibt so viele schöne Events, auf denen wir gespielt haben. Wenn es ein absolutes Elane-Highlight für mich gibt, dann den Augenblick, in dem wir während eines Konzerts den Schriftsteller Kai Meyer im Publikum erkannten und ihn nachher ansprachen. So entstand durch reinen Zufall eine Zusammenarbeit, an die ich mich mein Leben lang erinnern werde.

ZW: Was sind eure Pläne für die nächste Zeit? Worauf können sich eure Fans freuen?

Joran:
In wenigen Wochen wird die More Stars E.P. erscheinen. Das ist ein Mini-Album mit zwei ganz neuen Songs, die später dann in anderer Version auf Arcane 2 erscheinen werden. Zusätzlich sind noch weitere unveröffentlichte Songs, beziehungsweise Mixe von Arcane 1 und The Silver Falls mit dabei. Damit wollen wir unseren Hörern die Wartezeit bis zur Veröffentlichung von Arcane 2 ein bisschen erträglicher machen.

Das Interview führte Karsten Dombrowski. Vielen Dank an die Band Elane für das herzliche Gespräch!

Webseite: Elane

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