Eiskalter Atem

Liebe zwischen Mord und Magie

// Literatur
Eiskalter Atem - News

Emma, die Tochter des angesehenen Lord Hightower und seiner berüchtigten Frau Lady Lovegrove, sieht den einzigen Lichtblick ihres öden Debütantinnen-Daseins in der Gesellschaft ihrer Cousinen, mit denen sie schon seit ihrer Kindheit durch dick und dünn geht. Denn genau wie sie selbst, hegen auch ihre Verwandten keine heimliche (und schon gar keine öffentliche) Leidenschaft für höfische Umgangsformen. Umso aufregender finden sie die Ereignisse, die einem rätselhaften Erdbeben und einem mysteriösen Mord folgen, der sich auf einem dieser plötzlich gar nicht mehr so langweiligen Bälle ereignet.

Auf einmal sehen sich Emma, Gretchen und Penelope nicht nur mit vielerlei Fragen um das Verbrechen konfrontiert, sondern auch mit ihrer eigenen Familiengeschichte. Spätestens als Emma durch eine Falltür im Atelier ihrer Tante auf einen Koboldmarkt stolpert und dort von ihrem heimlichen Schwarm in eine Kutsche voller krimineller Zauberkundiger geworfen wird, muss sie sich eingestehen, dass ihr Leben wohl in Zukunft nicht mehr so langweilig verlaufen wird, wie sie bisher vermutet hatte. Auch ihre Cousinen Gretchen und Penelope entdecken an sich ungewohnte Eigenschaften und Talente, die ihre ganz eigenen Kontrollmechanismen nötig machen. Denn während Gretchen und Penelope plötzlich mit seltsamen Flüstergeräuschen und dem Auftauchen durchschimmernder Geister zurechtkommen müssen, braut sich über Emma ein ganz eigenartiges Gewitter zusammen. Das ständige Zusammentreffen mit Cormac, der sich nicht wirklich entscheiden kann, ob er ihr lieber den Hof machen oder sie an die nächstbesten Bewahrer ausliefern soll, ist dabei auch keine große Hilfe. Und wer ist eigentlich Moira, das eigensinnige Madcap-Mädchen, das auf den Dächern wohnt und Gargoyles sammelt?

Wodrum geht’s denn da?“„Psssscht, kann jetzt nicht, die Bewahrer kommen!“

Prinzipiell sind meine Freunde es ja bereits gewohnt, dass sie auf etwaige Fragen schon mal gar keine Antwort bekommen, wenn ich ein Buch in Händen halte. Auch unverständliche Brabbeleien werden inzwischen als „gewohnt“ abgetan, weil ich spätestens nach dem nächsten aufregenden Kapitel schon anfange, mich über das Gelesene zumindest soweit auszulassen, dass auch Nicht-Leser meinen Gedankengängen irgendwie folgen können. Eiskalter Atem von Alyxandra Harvey hab ich allerdings in zwei Tagen durchgesuchtet, sodass zwischen den Kapiteln keine Zeit für weitläufige Erklärungen (oder einen Besuch im Schwimmbad) blieb. Besonders der lockere Schreibstil und die durchgängige Spannung haben dafür gesorgt, dass ich das Buch ständig in meiner Handtasche mit rumschleppen wollte.

Mädchenroman mit Phantasie und Hexerei

Die Geschichte zwischen höfischer Etikette, jugendlicher Rebellion, krimineller Machenschaften und einer ordentlichen Portion Liebelei bietet genug Raum und Leerstellen für eigene Interpretationen, ohne dabei langweilig zu werden. Mancher mag vielleicht sagen, dass sich in der Handlung nichts innovativ-neues befindet und es sich doch wieder nur um einen Mädchen-Internat-Jugendroman handelt, doch tut das der liebevoll gestalteten Geschichte meiner Meinung nach keinen Abbruch. Die Story um die drei Cousinen, die vor schwierige und Mut erfordernde Aufgaben gestellt werden, behandelt nicht nur die Ausbildung und die Entwicklung von Kindern zu mitdenkenden Erwachsenen, sondern motiviert durch viele phantasievoll gestaltete Elemente, sich mit den Helden den Schwierigkeiten zu stellen, die der Alltag den Heranwachsenden immer wieder abfordert. Meines Erachtens ist das Lesen eines solchen Romans aber keine reine Jugendsache, denn auch Erwachsene oder solche, die es mal werden wollen, müssen sich manchmal den Schwarzmagiern des Umfeldes stellen. Und wer würde sich dabei nicht eine ordentliche Portion Hexenkunst wünschen oder einen kleinen Vertrauten, der mit magischen Beißerchen nach den tadelnden Händen des mürrischen Kollegen schnappt?

Zwischen Wahnsinn und Kontrolle steht immer noch der Mord

Neben der plötzlichen Entdeckung ihrer magischen Fähigkeiten, werden die Mädchen auch mit ihrer eigenen, bislang verschleierten Familiengeschichte konfrontiert, die im Zuge der Ereignisse nach und nach aufgedeckt wird. Der Fokus liegt dabei auf der Hauptheldin Emma, die sich trotz aller Umstellungen und Veränderungen ja noch mit den Anschuldigungen des Mordes herumschlagen muss. Auch wenn mehrere Handlungsstränge begonnen werden, führen diese immer wieder zu der Ursprungsgeschichte zurück, sodass es eigentlich nie langweilig wird um Emma und ihre Cousinen. Einzig manche Lesestolperer und kleinere Logik- und Verständnisfragen sollte man mit einem Schulterzucken abtun und sich nicht allzu lange mit offen gebliebenen Details befassen. Zahlreiche Rechtschreib- und Kommafehler fallen da schon eher ins Gewicht, da sie die Qualität des Buches doch ein wenig herabsetzen.

Fazit

Eine tiefsinnige Geschichte behandelt Eiskalter Atem zwar nicht, bietet dafür aber eine locker-leichte Leselektüre, die man nur allzu gerne gegen den grauen Alltag eintauscht. Es macht Spaß und Freude, sich mit den magisch begabten Mädchen auf Entdeckungstour zu begeben, und noch einmal als 16jähriger Backfisch die Schmetterlinge um die ersten Flirtereien nachzuempfinden. Ich hätte gegen einen zweiten Teil absolut nichts einzuwenden und würde ihm jederzeit einen Platz im Regal neben dem ersten freiräumen, wenn dieser denn mal als physisches Buch herauskommt.

Eiskalter Atem
Alyxandra Harvey
(Papierverzierer Verlag, 2014)
440 Seiten, Smartcover
ISBN: 978-3-9445-4426-7
Webseite: Eiskalter Atem beim Papierverzierer Verlag

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