Dune Imperium

Kontrolliere das Spice!

Kategorie: Brett- und Kartenspiele
Tags: Dune Science-Fiction Dune - Der Wüstenplanet
von Karsten Dombrowski (Text)

He Who Controls The Spice Controls The Universe (Wer das Spice kontrolliert, kontrolliert das Universum) – dieser Satz ist vermutlich eines der bekanntesten Zitate aus den Dune-Romanen des Autors Frank Herbert. In diesen lebt die Menschheit in ferner Zukunft verteilt auf viele Planetensysteme in einem feudalistischen System, das von Adelshäusern und weiteren Machtgruppen getragen und von einem Imperator regiert wird. Dabei nimmt der Wüstenplaneten Arrakis, um den sich ein Großteil der Handlung dreht, eine Schlüsselstellung ein. Der Planet ist der einzige bekannte Ort im Universum, auf dem die Droge Spice gewonnen werden kann – und diese ist eine wichtige Grundlage für die Raumfahrt zwischen den bewohnbaren Planeten.

Die zwischen 1965 und 1985 erschienene Romanserie gilt als Meilenstein der Science-Fiction-Literatur und zählt zu den am meisten verkauften Büchern in diesem Genre. Das Werk wurde nicht nur mehrfach verfilmt (besonders bekannt ist der Film Dune – Der Wüstenplanet des Regisseurs David Lynch aus dem Jahr 1984), sondern es entstanden auch verschiedene Computer- und Brettspiele, bei denen die Spieler*innen um die Macht auf dem Wüstenplaneten kämpfen können.
Aktuell steht eine weitere, mit Spannung erwartete Verfilmung durch Regisseur Dennis Villeneuve in den Startlöchern, der unter anderem auch Blade Runner 2049 gedreht hat. Und es gibt auch ein neues strategisches Brettspiel: Dune: Imperium erschien bereits im letzten Jahr auf Englisch und wurde von Brettspielfans mit Begeisterung aufgenommen. Demnächst erscheint eine deutsche Fassung des Spiels, was wir zum Anlass nehmen, es uns einmal genauer anzusehen, wobei das englische Spiel als Basis des Artikels dient.

Karten und Agent*innen

Dune: Imperium ist ein Deckbuilding- und Worker-Placement-Spiel für ein bis vier Spieler*innen. Diese übernehmen die Rolle eines der Anführer der großen Fürstenhäuser aus dem Dune-Hintergrund. Es gilt, Kontrolle über möglichst viele Ressourcen des Spiels zu gewinnen und dabei Siegpunkte einzustreichen. Das gelingt zum einen durch Anpassen des eigenen Kartendecks, Platzieren der Worker-Spielfiguren (der Agent*innen) und Ausspielen der individuellen Fertigkeiten der eigenen Anführerrolle, aber auch, indem man mit Truppen die Schlachtfelder des Wüstenplaneten dominiert. Aber Achtung, das Spiel wird nicht nur durch Stärke, sondern auch durch Intrigen und Täuschung gewonnen!
Zunächst beginnen alle mit zwei Agent*innen und dem gleichen, aus zehn Karten bestehenden Kartendeck. Dieses muss im Laufe des Spiels ausgebaut und angepasst werden, um so die für die eigene Strategie optimale Zusammenstellung zu erreichen. Dabei gilt es zu beachten, dass jede Karte immer zwei Funktionen hat. Zum einen werden Karten benötigt, um die eigenen Agent*innen auf dem Spielbrett zu platzieren, etwa um Ressourcen zu sammeln oder in einen Konflikt einzugreifen. Alternativ können sie genutzt werden, um in Konflikten verstärkend einzugreifen oder die Kosten für den Erwerb neuer Karten zu bezahlen.

Die optische Gestaltung ist gelungen und lehnt sich beim Kartendesign offenbar an die aktuelle Neuverfilmung von Dennis Villeneuve an. Nur die Spielsteine sind etwas sehr einfach gehalten. Statt echter Figuren für Agent*innen, Truppen und so weiter gibt es einfach unterschiedlich geformte und gefärbte Klötzchen.

Fraktionen

Neben den durch die Spieler*innen repräsentierten Fürstenhäusern gibt es vier mächtige Fraktionen, bei denen es sich lohnt, auf sie Einfluss zu nehmen, indem man seinen Agenten auf ihrem Feld platziert – nicht nur, weil ihre Gunst oder sogar eine Allianz mit ihr Siegpunkte bringt. Karten mit Bezug zum Imperator bringen besonders häufig Geld, die Raumfahrergilde kann dabei helfen, große Truppenkontingente auf das Schlachtfeld zu bringen, was aber viel Spice kostet, das es wiederum besonders gut bei den Fremen, den eigentlichen Bewohnern von Arrakis gibt. Die Schwesternschaft der Bene Gesserit unterstützt schließlich bei der strategischen Planung des eigenen Sieges, da man über diese Gruppe besonders gut an Intrigenkarten kommt und sie zudem ermöglicht, unerwünschte Karten aus dem eigenen Deck zu entfernen. Die Intrigenkarten, die nicht zum eigentlichen Deck gehören, stehen für List, Hinterzimmer-Deals und überraschende Wendungen und können Ressourcen liefern, Einfluss bei einer Fraktion erhöhen oder sogar Siegpunkte bringen.

Varianten

Eine Besonderheit des Spiels, die gerade während der aktuellen Pandemie nützlich sein könnte: Es gibt Varianten für Spielrunden zu zweit oder sogar alleine. Bei zwei Spieler*innen kommt zusätzlich ein automatisch gesteuertes Adelshaus ins Spiel, bei einer spielenden Person sogar zwei. Diese Häuser bauen kein Kartendeck wie die Spieler*innen auf, sondern haben eigene Karten und eigene Regeln, um ins Geschehen einzugreifen.
Während die Zusatzfraktion in der Variante für zwei Spieler*innen einfach nur etwas mehr Spannung ins Spiel bringt und keine eigenen Siegpunkte sammelt, tun das die Zusatzfraktionen im Solospiel durchaus und können entsprechend auch das Spiel gewinnen.

Fazit

Wer ein nettes Strategiespiel für zwischendurch sucht, ist mit Dune: Imperium vermutlich nicht gut bedient. Einfach nur möglichst mächtige Karten zu sammeln und damit trotzdem erfolgreich zu sein, funktioniert nicht. Stattdessen müssen jede Entscheidung und jeder Spielzug sorgfältig abgewogen werden. Wer an so etwas Spaß und Lust auf die politischen Intrigen des Dune-Universums hat, findet dagegen genau das richtige Spiel, das bisweilen ähnlich spannend verlaufen kann wie ein packender Film oder Roman.

Dieser Artikel erschien erstmals in der Zauberwelten Frühjahr 2021


Weitere Informationen:
KD
Über den Autor (Text)

Karsten Dombrowski schreibt für Zauberwelten-Online.de.

Artikel: Dune Imperium
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