Dishonored 2: Das Vermächtnis der Maske

Wieder entehrt, wieder enttrohnt

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Vor 15 Jahren wurde die Kaiserin vor den Augen ihres Schutzherren Corvo Atano ermordet. Die Verräter aus den eigenen Reihen bezichtigten Corvo des Mordes und verurteilten ihn zum Tode, eine Widerstandszelle verhalf ihm jedoch zur Flucht. Mit der Hilfe des mysteriösen Outsiders erhielt Corvo magische Assassinenkräfte. Versteckt hinter einer eisernen Maske kämpfte Corvo für den Widerstand und deckte die Verschwörung auf. Zudem rettete er die Tronfolgerin und gemeinsame Tochter Emily Kaldwin aus den Klauen der Verschwörer und stellte seine verlorene Ehre wieder her.

Zu komplex für ein einfaches Intro? Kein Wunder, handelt es sich hierbei doch um die Handlung des ersten Teils aus dem Jahr 2012. Kaiserin Emily ist nun erwachsen geworden, doch sind ihr die Aufgaben ihres Amtes zuwider. Ständig schleicht sie sich des nachts aus dem Palast und lebt ein Doppelleben im Schatten. Vater Corvo, der wieder zum Kaiserlichen Schutzherrn erkoren wurde, hat Emily für den Ernstfall trainiert. So etwas wie vor 15 Jahren soll nie wieder passieren.

Ein unerwünschter Gast

Doch natürlich passiert es wieder. Am 15. Todestag ihrer Mutter erscheint eine bislang unbekannte Verwandte und Hexe namens Daliah Copperspoon: die verlorene Schwester von Emilys Mutter und scheinbar rechtmäßige Erbin des Kaiserlichen Throns. Bevor Emily den Sachverhalt prüfen kann, stürmen mechanische Kampfroboter den Saal und töten die loyalen Gefolgsleute der Kaiserin. Der Rest unterwirft sich postwendend der neuen Thronfolgerin und stellt sich gegen uns.

Wir haben die Wahl: Wählen wir Vater Corvo oder schlüpfen wir in die Haut von Emily, um uns zur Wehr zu setzen? Wen immer wir auch wählen, wir werden überwältigt, der jeweils andere Charakter wird von Daliah in Stein eingehüllt. Wir starten komplett ohne Kräfte und müssen aus der Stadt fliehen. Wieder einmal sind wir entehrt.

Nur mit Mühe schaffen wir es auf ein Schiff und treffen unerwartet auf unsere vorerst einzige Verbündete Meagan Foster, die mehr zu wissen scheint, als sie vorgibt. Das Dampfschiff Dreadfull Whale ist von nun an unser Stützpunkt und wir lassen die Stadt Dunwall nach einem kurzen Wiedersehen hinter uns und reisen in den Süden zur mediterranen Küstenstadt Karnaca, wo alles begann.

Retter oder Rächer

Erschöpft von der Flucht fallen wir in einen tiefen Schlaf und treffen einen alten Bekannten. Der Outsider weiß über die Situation Bescheid und benötigt sogar unsere Hilfe. Dafür bietet er uns erneut magische Kräfte an. Wer eine besondere Herausforderung sucht, kann diese jedoch ablehnen. Dann bleibt uns nur unser Dolch und die Armbrust. Anstatt uns über hohe Balkone an den Wachen vorbei zu teleportieren, können wir nur dahin gehen, wo wir keine Assassinenfähigkeiten benutzen müssen.

Doch das Benutzen der Spezialfähigkeiten macht viel zu viel Spaß, um den ersten Durchgang völlig ohne sie zu beginnen. Der Wiederspielwert ist enorm hoch. Emilys Fähigkeiten unterscheiden sich leicht von Corvos. Unser Vorgehen entscheidet: Töten wir die Gegner oder betäuben wir sie nur? Spielen wir den brutalen Rächer, spiegelt sich das auch in den Dialogen und Monologen wieder. Die Texte werden dann zynischer und paranoider. Das Spiel wird düsterer und wir finden viel häufiger Blutfliegennester. Sind wir eher pazifistisch, verhält sich auch das Umfeld neutraler. Wer genau hinschaut, wird drastische Unterschiede entdecken.

Haben wir uns für die magischen Fähigkeiten entschieden, können wir unsere Talente ausbauen, indem wir Runen einsammeln. Mit Hilfe des Herzes, das wir vom Outsider bekommen, können wir die Richtung der Verstecke orten. Sie zu erreichen ist dennoch eine Herausforderung, die oftmals große Umwege oder Konfrontationen erfordert. Knochenartefakte, die wir nun auch selbst bauen können, verleihen uns zusätzliche Statuseigenschaften. Doch Vorsicht, einige Artefakte haben ihren Preis und machen uns in anderen Kategorien verwundbarer.

Mit gefundenen Blaupausen und den Wertgegenständen, die wir überall stehlen können, verbessern wir schließlich auch unsere normale Kampfausrüstung. Lediglich die Betäubungsbolzen sind auf fünf reduziert. Daher müssen wir bei einer großen Anzahl von Wachen strategisch vorgehen, erst recht, wenn wir die Bewertung „Geist“ erreichen wollen, für die wir gänzlich unentdeckt bleiben müssen.

Augen zu, ich komme

Dass dies sich als besonders knifflig herausstellt, ist vor allem zwei Dingen zu verdanken. Die KI der Wachen ist extrem scharfsinnig. Im Gegensatz zum Vorgänger ist der Sichtkegel extrem weit. Geräusche alarmieren auch von uns abgewandte Gegner, und Zivilisten, die uns in unbefugten Gebieten sehen oder Leichen entdecken, rufen gerne lauthals die Wachen. Dabei werden wir nun auch auf leicht erhöhten Positionen wahrgenommen. Die Wachroboter aus der Anfangsszene können sogar gleichzeitig nach vorne und hinten sehen. Werden wir erwischt, haben wir es oft mit der gesamten Belegschaft zu tun, was in der Regel zu einem schnellen Ableben führt. Aber wie bereits gesagt, macht das Spiel als Schleicher ohnehin viel mehr Spaß.

Das liegt an der cleveren und extrem weitläufigen Levelarchitektur. Während der kürzeste und direkte Weg oftmals schwer bewacht wird, gibt es stets auch einen alternativen Weg, um ans Ziel zu gelangen. Lösen wir dabei noch die eine oder andere Nebenquest, helfen uns neu gewonnene Verbündete weiter, indem sie zuvor versperrte Abkürzungen öffnen. Einige Umgebungen stellen uns vor spektakuläre Herausforderungen und nutzen die gegebenen Werkzeuge gekonnt aus. Selbst wenn wir uns nicht auf unsere Kräfte verlassen können, bietet uns das Spiel verschiedene Wege, um unsere Missionen zu erfüllen.

Wer das gute Ende zu Gesicht bekommen möchte, sollte die Augen aufhalten. Neben zahlreichen Hinweisen und Schätzen gibt es immer einen Schwachpunkt bei unseren Zielpersonen, der sie nicht tötet, aber dennoch überlistet. Um dies zu erreichen, müssen wir oft in entlegene Bereiche abseits der Route gelangen. Eine Übersicht im Menü gibt darüber Auskunft, wie viele und welche Gegenstände wir gesammelt haben, ob wir entdeckt wurden oder jemanden getötet haben. Wer eine Wache auf dem Gewissen hat, weil er den schlafenden Körper auf dem Boden liegen gelassen hat, wo ihn die Ratten gefressen haben, weiß wie wertvoll diese Übersicht sein kann. Die hilfreiche
Quicksave-Funktion kürzt auch auf Konsolen fehlgeschlagene Schleicheinlagen deutlich ab und erspart Frustmomente.

Fazit

Dishonored 2: Das Vermächtnis der Maske bietet durch die hervorragende Nutzung der Gameplaymechaniken ein ausgezeichnetes Schleicherlebnis. Die im Vorgänger fast zu mächtigen Kräfte stehen nun gnadenlos aufmerksamen Wächtern entgegen und können bei Bedarf sogar ganz abgelehnt werden. Die eher seichte Hintergrundgeschichte bleibt dezent und überlässt der perfekt inszenierten Kulisse die Hauptrolle. Jeder der Protagonisten spielt sich unterschiedlich und die verschiedenen Herangehensweisen motivieren zum erneuten Durchspielen.

Dishonored 2: Das Vermächtnis der Maske
(Arcane/Bethesda,2017)
Plattformen: PS4, Xbox One, PC
Webseite: Dishonored 2

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