Blood Bowl 2

Football-Parodie im Comiclook

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Um den Blood Bowl-Hype zu verstehen, sollte man vielleicht etwas weiter in der Games Workshop-Historie zurückreisen: 1987 entwickelte der Brite Jervis Johnson auf der Basis der American Football-Regeln eine rundenbasierte Brettspieladaption, die im Warhammer Fantasy-Universum angesiedelt ist. Auf einem Spielfeld mit 15 mal 26 Feldern übernehmen zwei Spieler die Kontrolle über bis zu 16 Spielfiguren. Die Teams bestehen aus Vertretern der einzelnen Warhammer Fantasy-Rassen. Da sich diese außerhalb von Blood Bowl ohnehin permanent im Krieg befinden, ist es nicht wirklich verwunderlich, dass die Auseinandersetzungen oftmals im blutigen Gemetzel enden und die Größe des Teams zum Ende des Matches stark abnimmt. Ziel des Spiels ist es, innerhalb von acht Runden pro Halbzeit den Ball auf die gegenüberliegende Seite zum Touchdown zu befördern. Im Gegensatz zum echten Football ist man dank der Würfel nicht selten der Willkür des Glücks ausgesetzt. Das Regelwerk wurde seit den 80ern ständig erweitert und befindet sich im Augenblick in seiner sechsten Edition. Damit umfasst das Spiel bereits 21 unterschiedliche Rassen.

Die erste PC-Umsetzung für MS-DOS im Jahr 1995 wurde seiner Vorlage leider nicht gerecht. Lange wurde es dann still um die Digitalisierung von Blood Bowl, bis Cyanide im Jahr 2009 schließlich eine erste gelungene Umsetzung präsentierte, die dem Flair der Vorlage entspricht.

Vom Spieltisch auf den Bildschirm
Das Jahr 2015 wird ein Fest für Games Workshop-Enthusiasten. Für kein anderes Jahr wurden so viele Videospielumsetzungen des Tabletop-Giganten angekündigt wie für dieses. Darunter ist mit Blood Bowl 2 auch ein Spiel zu einem eher unkonventionellen Ableger des Warhammer Fantasy-Universums. Das Spiel erscheint im Mai und es ist durchaus möglich, dass die verantwortlichen Cyanide Studios, die bereits den Vorgänger entwickelt haben, sich dieses mal selbst übertreffen.

Schon die Präsentation des Geschehens auf dem Spielfeld sticht aus dem Allerlei der Sportspiele heraus und wirkt wie eine waschechte TV-Übertragung. Der fiktive Sender Cabal-Vision HD überträgt die Spiele live und in Farbe direkt in unser Wohnzimmer. Die Kommentatoren sind aberwitzig und gut gewählt. Wir sehen Interviews mit den Spielern und am Spielfeldrand stehen Cheerleader – ein Element, das schon in der Tabletop-Vorlage für moralische Boni sorgte. Der charakteristische Comic-Look passt hervorragend zur völlig übertriebenen Gewaltdarstellung und nimmt die reißerische Berichterstattung amerikanischer Football-Übertragungen sehr gekonnt auf’s Korn. Wen das nervt, der kann diese Live-Übertragungen aber auch abschalten.

Lebendiges Spielfeld
Was Blood Bowl 2 ebenfalls von klassischen Sportspielen unterscheidet, sind die Geschehnisse drum herum und deren Auswirkungen auf das Spielgeschehen. Mal stürzt der Kamerahelikopter ab und setzt das Spielfeld in Flammen, woraufhin Spieler, die dem Feuer zu nahe kommen, Schaden nehmen. Mal stürmen blutrüns­tige Zuschauer das Spielfeld und lassen ihrem Ärger freien Lauf.

Die Schiedsrichter lassen sich bestechen, so dass Fouls keine Konsequenzen mehr haben – das kann allerdings nach hinten losgehen: Wenn die Würfel nicht auf unserer Seite sind und sich der Schiri einfach nicht bestechen lassen will ... oder nur von unserem Gegner. Ist Blood Bowl 2 unter solchen Umständen noch fair spielbar? Wenn man darunter Gleiches Recht für alle Teams versteht, dann ja!

Das Team
Aber wie spielt sich Blood Bowl 2? Die Cyanide Studios haben eine lange Liste von Manager-Simulationen hervorgebracht, und das merkt man auch. Los geht es, indem wir unser Team erstellen und ihm einen Namen und ein Logo geben. Zur Auswahl stehen in Blood Bowl 2 acht Rassen, die sich stark in ihren Stärken und Schwächen unterscheiden. Wählen wir ein Team aus flinken, aber dafür schwach gepanzerten Spielern, können wir das Gegenteam austricksen. Geraten diese aber zwischen die Fronten, sind sie schnell außer Gefecht. Das Ganze geht auch andersherum: Gepanzerte Rassen halten viel aus, aber das geschieht auf Kosten der Agilität.

Es kommt aber nicht nur auf die gewählte Rasse an. Unser Team besteht aus Spielern mit individueller Persönlichkeit. Diese erstellen wir aus einer reichhaltigen Auswahl von Vorlagen und trainieren sie für den Sieg. Im Laufe der Karriere erlangen sie mehr Erfahrung und werden besser, bei Verletzungen verschlechtert sich die Leistung dementsprechend. Wer nicht aufpasst, verliert seine Spieler dauerhaft. Durch diese individuelle Charakterentwicklung und den persönlichen Charme der einzelnen Spieler tut es umso mehr weh, wenn man einen liebgewonnenen Veteranen verliert. Spätestens dann lernt man die Option der Schiedsrichterbeeinflussung zu schätzen, denn ein solcher Schlag schreit nach Rache. Eine Emotion, die sich bei Fifa, NFL und Co. kaum einstellen dürfte.

Das Regelwerk
Am rundenbasierten Spielsystem des Tabletop-Regelwerks ändert sich nichts. Der etwas chaotische Echtzeitmodus aus dem Vorgänger wurde ersatzlos gestrichen. Da war sich die Community einig: Blood Bowl ist im Kern ein rundenbasiertes Taktikspiel und das sollte es bleiben. Die eigenen Spieler müssen für jeden Spielzug neu positioniert und ihre Bewegung vorausgeplant werden. Es gilt die Gegner zu umgehen oder zu blocken, Lücken in ihrer Verteidigung zu finden und den Ball um jeden Preis in die Endzone zu bringen.

Wer die Blood Bowl-Regeln nicht wirklich kennt, dem sei die Offline-Kampagne ans Herz gelegt, die als eine Art Tutorial fungiert. Diese umfasst eine knapp 30-stündige Karriere, in der man einen heruntergekommenen Verein zur Meisterschale führt. Dabei werden die Regeln erst im Laufe der Zeit komplexer, bis sie schließlich am Ende das gesamte Regelwerk umfassen.

Multiplayer
Herzstück des Spiels ist die Online-Kampagne, bei der wir uns mit Spielern aus aller Welt in einer fortlaufenden Liga messen. Mit dem dabei erwirtschafteten Geld können wir neue Spieler von unseren Konkurrenten kaufen. Damit nutzt Cyanide die Vorzüge der Vernetzung und bietet ein Onlinefeature, das durchaus Sinn macht und das Basisregelwerk um eine interessante Neuerung ergänzt: Beim Transfer bleibt auch die Historie des Spielers erhalten. Wie bei echten Fußballhelden sieht man also, wie oft er schon herumgereicht wurde. Natürlich funktioniert diese Option nicht während der Matches. Wenn eine Gegenmannschaft den eigenen Kader zu stark dezimiert, kann man den Sieg vergessen.

Spieler, die ungern gegen Kontrahenten jenseits der Grenzen ihrer Wohnung antreten, können auch einen lokalen Multiplayer-Modus nutzen.

Blood Bowl 2 ist im Warhammer-Franchise zwar nur ein Spiel unter vielen, sollte jedoch keinesfalls unterschätzt werden. Vor dem Hintergrund eines fast 28 Jahre alten Brettspiels ist ein extrem komplexes Sportspiel mit Seele und einer zeitgemäßen Präsentation entstanden, das gerade auf den Konsolen der neuen Generation verdammt gut aussieht. Ein Spiel, das nicht nur die Vorzüge moderner Vernetzung nutzt, sondern auch das seltene Kunststück schafft, beim Spieler eine emotionale Bindung zum eigenen Team aufzubauen.

Blood Bowl 2
(Cyanide Studios/ Focus Home Interactive)
Plattformen: PS4, Xbox One, PC (Windows)
Webseite: www.bloodbowl-game.com

Bilder: Cyanide Studions

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