Interview: Bernhard Hennen

Von Elfen und Büchern

// Literatur

„Die Leser sehen, wie das Geschehen immer schneller in Richtung Katastrophe voranschreitet, obwohl jede der Romanfiguren überzeugt ist, das Richtige zu tun.“

Bernhard Hennen stürmte mit seinen Elfen-Romanen alle Bestsellerlisten und schrieb sich an die Spitze der deutschen Fantasy-Autoren. Für die Zauberwelten berichtet er vom anstehenden Abschluss seiner aktuellen Romanreihe, den Besonderheiten seiner Erzählweise und der Überarbeitung und Neuauflage seiner früheren Geschichten. Das Interview führte Karsten Dombrowski.
Zauberwelten: Im Januar 2015 erscheint mit Die letzten Eiskrieger der nächste Band Deiner Drachenelfen-Reihe. Ist das Buch schon fertig oder arbeitest Du noch am Feinschliff?
Bernhard Hennen: Zurzeit arbeite ich noch am Feinschliff. Es hat sich in diesem Sommer gezeigt, dass der ursprünglich geplante Abschlussband Himmel in Flammen so umfangreich geworden wäre, dass er ein Volumen von 1.300 Seiten überschritten hätte. Und selbst bei diesem Umfang hätte ich einige der Handlungsstränge überhastet zu Ende führen müssen. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, den Abschlussband in zwei Bände aufzuteilen. Die große Geschichte um die Drachenelfen, die auf drei Welten angesiedelt ist und viele der Geheimnisse Albenmarks in einem neuen Licht erscheinen lässt, nicht in der gebührenden Sorgfalt zum Abschluss zu bringen, hätte ich persönlich als große Tragödie empfunden. Und ich weiß, ich hätte auch sehr viele Leserinnen und Leser mit einem überhas­teten Ende enttäuscht.

ZW: Wie kann es passieren, dass ein Roman so viel länger wird, als ursprünglich geplant?

Bernhard: Es hängt mit der Art zusammen, wie ich Geschichten erzähle. Bei meinen Roman-Zyklen gibt es meist ein Hauptthema – in der Drachenelfen-Saga ist es der Untergang der Welt Nangog – und dann viele Romanfiguren, deren Schicksal auf unterschiedlichste Art mit diesem Hauptthema verbunden ist. Dadurch gelingt es, sehr facettenreich zu erzählen und das übliche Fantasy-Klischee einer strikten Trennung von Gut und Böse zu durchbrechen. Diese Art zu erzählen orientiert sich an Mustern zur Entstehung von Konflikten, wie es sie in unserer Welt gibt. Die Leser können die Beweggründe aller Figuren gut nachvollziehen, ja, sie müssen sich sogar eingestehen, dass sie vielleicht ganz ähnlich gehandelt hätten. Da sie aber als Leser einen größeren Überblick über die Ereignisse haben als die handelnden Figuren, sehen sie, wie das Geschehen immer schneller in Richtung Katastrophe voranschreitet, obwohl jede der Romanfiguren überzeugt ist, das Richtige zu tun.

ZW: Kannst Du uns einen kleinen Vorgeschmack auf das geben, was die Leser erwarten wird?

Bernhard: Während es im ewigen Eis Nangogs zur ersten Schlacht zwischen Albenkindern und Menschen kommt, warten die Himmelsschlangen und die Devanthar im Hintergrund darauf, dass die andere Seite einen Fehler macht, der einen vernichtenden Schlag erlaubt. Die spätere Elfenkönigin Emerelle wird geboren werden, und es fällt ein wenig Licht auf die Geheimnisse um ihre Herkunft. Wie immer erwarten die Leser epische Schlachten und tragische Liebesgeschichten.

ZW: Wirst Du den Elfen nach Himmel in Flammen endgültig Lebewohl sagen oder warten noch weitere Geschichten darauf, erzählt zu werden?

Bernhard: Es wird mit den Elfen noch weiter gehen. Als nächstes werde ich einige Geschichten aus der Jugend Emerelles erzählen und später irgendwann einen Roman-Zyklus um die Schattenkriege schreiben, jene Epoche, in der die Elfenfürstin Alathaia versucht, die Königin Emerelle zu stürzen.

ZW: Zu Deiner ersten Elfen-Romanreihe sind gerade Neuausgaben erschienen – wurde einfach ein neues Cover aufgedruckt oder gab es inhaltliche Veränderungen, beziehungsweise Ergänzungen?

Bernhard: An den eigentlichen Romanen hat es nur geringfügige Änderungen gegeben. Ein paar Kommas wurden ergänzt und ein paar kleinere Fehler behoben. Außerdem gibt es neue Karten und als Bonbon jeweils eine neue Novelle zu wechselnden Hauptfiguren aus den Elfen-Romanen. Es wird zum Beispiel erzählt, wie Alathaia zunächst eine Meuchlerin in den Diensten Emerelles war und warum sie sich von der Elfenkönigin abgewandt hat. Es gibt auch eine Geschichte über die junge Skanga und den Beginn ihres Weges, die bedeutendste Schamanin der Trolle zu werden.

ZW: George Lucas hat mit den mehrfachen Überarbeitungen seiner Star Wars-Filme für viele Diskussionen unter den Fans gesorgt. Welche Fan-Reaktionen erwartest Du? Gibt es bei den neuen Elfen Potenzial für kontroverse Diskussionen?

Bernhard: Die Resonanz ist durchaus geteilt. Während die meisten sich über die Bücher freuen, gab es auch Unmut, nur wegen einer Kurzgeschichte noch einmal den Roman kaufen zu sollen, den man schon hat. Diejenigen, die sich immer über die Uneinheitlichkeit geärgert haben, sind hingegen begeistert. Die Elfenritter-Bände hatten in der Vergangenheit ein anderes Format als die ersten vier Elfen-Romane. Elfenlied hat noch ein anderes Cover-Format und die Drachenelfen-Saga ein abweichendes Cover-Design. Über die Jahre werden alle Elfen-Romane in der neuen Optik erscheinen und, beginnend mit den Büchern zu Emerelle, wird dieses Design auch für die Neuerscheinungen verwendet werden. Ein weiterer, wesentlicher Grund für die überarbeitete Ausgabe war auch, mit den schönen, neuen Büchern neue Leser auf die Elfen-Saga aufmerksam zu machen.

ZW: Zu Guter Letzt – woran arbeitest Du gerade? Worauf können sich Deine Leser in naher Zukunft freuen?

Bernhard: Aktuell habe ich mit den Arbeiten an einer ganz neuen Roman-Reihe begonnen, die ich gemeinsam mit dem Autor Robert Corvus schreiben werde. Es geht darum, die Rollenspiel-Abenteuerserie Die Phileasson-Saga, die ich vor einem Vierteljahrhundert geschrieben habe und die seitdem viele tausend Spieler begeistert hat, in Bücher umzusetzen. Und auch dies wird eine Geschichte sein, in der Elfen eine große Rolle spielen.

Neu aufgelegt

Die Albenmark ist ein Ort voller Schönheit und Magie. Hier werben schon seit Jahrzehnten die beiden Elfen Farodin und Nuramon um die liebliche Noroelle. Eines Tages gelangt der Mensch Mandred Torgridson auf der Flucht vor einem Dämon an den Hof der Elfenkönigin Emerelle. Er verlangt von den Elfen Hilfe gegen den Manneber, die Emerelle ihm tatsächlich gewährt.
Mit Farodin, Nuramon und einer Gruppe aus Elfenjägern kehrt Mandred in die Menschenwelt zurück. Doch der Dämon entpuppt sich als grausamer Devanthar, dem es mit einer List gelingt, Noroelle zu verführen. Als die Elfe zur Strafe in die Zerbrochene Welt verbannt wird, begeben sich Nuramon und Farodin auf eine Suche, die ein ganzes Jahrtausend währen wird. Die epische Sage um die Elfen beginnt …

Zehn Jahre sind vergangen, seit der Roman Die Elfen erschien, und inzwischen hat die Elfen-Serie eine Reise um die Welt gemacht. Die Romane sind in zehn Sprachen übersetzt worden und haben sich weltweit fast drei Millionen Mal verkauft.
Das Elfen-Jubiläum feiert der Heyne Verlag mit einer neuen Ausgabe der Romane Die Elfen, Elfenwinter, Elfenlicht und Elfenkönigin. In allen Büchern sind Bonusmaterial, zusätzliche Geschichten und überarbeitete Karten enthalten.

Die Elfen
(mit Co-Autor James A. Sullivan)
1.040 Seiten, 15,00 Euro
ISBN 978-3-453-31566-2

Elfenwinter

928 Seiten, 15,00 Euro
ISBN 978-3-453-31567-9

Elfenlicht
976 Seiten, 15,00 Euro
ISBN 978-3-453-31568-6

Elfenkönigin
944 Seiten, 15,00 Euro
ISBN 978-3-453-31569-3

Bald erhältlich

Der Friedenspakt zwischen Elfen, Menschen, Devanthar und Drachen ist im Flammeninferno von Selinunt endgültig zu Asche geworden. Es herrscht offener Krieg, und jedes Mittel scheint recht im Kampf um das magische Nangog. Während der weise Herrscher Aaron Krieg führt, um Frieden zu schaffen, aber an Hofintrigen gegen seine große Liebe Shaya zu scheitern droht, macht die dunkle Elfe Lyvianne eine Entdeckung, die die Devanthar in ihrer schwersten Stunde entzweien könnte. Und auch im Heer der Elfen marschieren Verräter – vier Zwerge mit ganz eigener Mission. Nur Nandalee hat geschworen, nie mehr ein Schwert zu führen. Bis im fernen Norden Albenmarks eine Drachenelfe aufbricht, um sie und ihre Kinder zu töten.
Als der Tag der Entscheidung naht, fassen die Götter der Elfen, die mächtigen Alben, einen Entschluss, der ein neues Zeitalter einläuten wird …

Intrigen, verzweifelte Liebe und die alles entscheidende Schlacht am Ende der Zeiten – mit Die letzten Eiskrieger und Himmel in Flammen führt Bernhard Hennen, der Großmeister der deutschen Fantasy, die Drachenelfen-Saga zu ihrem epischen Finale.

Drachenelfen – Die letzten Eiskrieger
ca. 850 Seiten, 17,99 Euro
ISBN 978-3-453-27001-5
Erscheint am: 26. Januar 2015

Drachenelfen – Himmel in Flammen
ca. 900 Seiten, 17,99 Euro
ISBN 978-3-453-26889-0
Erscheint am: 12. Oktober 2015

Über den Autor

Bernhard Hennen, 1966 geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Vorderasiatische Altertumskunde. Als Journalist bereiste er den Orient und Mittelamerika, bevor er sich ganz dem Schreiben phantastischer Romane widmete. Mehr zu Autor und Werk findet sich unter www.bernhard-hennen.de.

Bild: Marc Mocnik

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