Aurélia Beaupommier: "Zauberer sind ziemliche Feinschmecker!"

Interview mit der Autorin für Fantasy-Kochbücher

Kategorie: Literatur Rezepte
Tags: Aurélia Beaupommier Zauberfeder Kochbuch Fantasy Interview
von Die Redaktion

Aurélia Beaupommier ist eine leidenschaftliche Leserin jeglicher wunderbarer und phantastischer Literatur. Als sie eines Tages in einen Kessel voller Äpfel, Musketiere, Zauberer und großer Entdeckerinnen fiel, beschloss sie, dem CNRS (Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung in Frankreich) beizutreten, wo sie viele Jahre als Bibliothekarin arbeitete. Ihre Leidenschaft fürs Kochen gleicht ihrer Liebe zu Büchern, weshalb sie von Romanen inspirierte Kochbücher schreibt. Zauberwelten-Online hat dazu ein paar Fragen an sie.

Zauberwelten-Online: Hallo Aurélia, danke, dass Du dir Zeit für uns nimmst. Stell Dich zu Beginn doch einfach mal vor: Wo kommst Du her – und in welcher Fantasywelt würdest Du am liebsten wohnen?

Aurélia Beaupommier: Hallo zusammen! Ich wuchs in Frankreich in einer kleinen Stadt nahe Paris auf, wo ich auch studierte. Danach lebte ich eine Zeit lang im Loiretal, bis ich zusammen mit meinem Mann in die Normandie zog, nach Bayeux, einem kleinen Städtchen nahe der Küste und umgeben von wunderbarer Landschaft. Anfangs arbeitete ich als Bibliothekarin im wissenschaftlichen Bereich, aber dann bekam ich die Chance, meine eigenen Bücher zu schreiben, also wagte ich mich mit beiden Beinen voran in dieses Abenteuer!

Es ist wirklich schwer, mich für nur eine Fantasywelt zu entscheiden, denn ich liebe sie alle! *g* Ich liebe Mittelerde, Narnia und natürlich auch das Harry Potter-Universum, aber ich mag auch Star Trek, Stargate und Star Wars wirklich gern! Wenn ich mich aber wirklich entscheiden muss, dann wähle ich Die unendliche Geschichte, denn in dieser Welt können alle Wünsche wahr werden und dadurch kann ich trotzdem alle Heldinnen und Helden der anderen Universen treffen.

ZWO: Deine Kochbücher Zauberhafte Küche und Zauberhafte Pâtisserie sind eine kulinarische Reise durch verschiedene Buchreihen und Filme. Wie bist Du auf die Idee gekommen, Rezepte zu verschiedenen Fantasywelten zu entwickeln?

Aurélia: Alles fing mit Mary Poppins an: An einem perfekten Sommertag habe ich das Buch wieder einmal gelesen und dabei fiel mir auf, dass sie kleine Erdbeerküchlein aß. Da fragte ich mich: Wie schmecken sie wohl?

Von da an erwachte meine Neugierde: Wie schmecken wohl Butterbier, Kürbissaft, Mr Tumnus‘ Küchlein etc.? Und da ich sowohl eine Sucherin als auch eine Buch-Verschlingerin bin, habe ich mir all meine Papierfreunde erneut vorgenommen, dazu Filme und Serien noch einmal angeschaut – und was soll ich sagen: Zauberer sind ziemliche Feinschmecker.

ZWO: Wo hast Du selbst so lecker und kreativ zu kochen gelernt?

Aurélia: Meine Oma war meine Lehrerin, ich verbrachte viel Zeit mit ihr in der Küche. Sie benutzte viel Gartengemüse und liebte es, simpel zu kochen – aber stets mit dem ganz besonderen natürlichen Geschmack. Ich werde nie den Geschmack sonnengewärmter Himbeeren vergessen …

Was mich angeht, ich liebe es mir vorzustellen, ich wäre jemand anderes beim Kochen: Heute hab ich Böses im Sinn – okay, was würde Malefic aus Dornröschen dann zubereiten?

Jahreszeiten sind ebenfalls sehr wichtig für mich uns so kann man sagen: Charaktere und die Natur sind meine Inspiration.

ZWO: In Deinen Kochbüchern stehen Rezepte zu den Schlümpfen neben Gerichten zu Harry Potter oder der Superhelden-Serie Doctor Strange. Wonach entscheidest Du, ob sich eine Serie für ein Kochrezept eignet?

Aurélia: Wenn mich das Essen auf dem Bildschirm oder in den Büchern lächeln lässt, hungrig macht und an den Esstisch treibt.

ZWO: Wie entstehen eigentlich Deine Rezepte? Und wie oft musst Du ein und dasselbe Gericht kochen, bist Du dir sicher bist, dass es nun perfekt ist?

Aurélia: Ich habe zwei verschiedene Herangehensweisen an meine Rezepte.

Die Erste kommt zum Tragen, wenn das Rezept an sich bereits existiert. Zum Beispiel kannst du Dutzende Male lesen, dass Harry Potter Siruptorte liebt.

Willkommen in meinem Verstand: "Okay, ich muss 'nur' ein gutes Rezept finden. Was sind die ersten Rezepte im Internet? Hm, nein, die meisten Rezepte im Internet sind amerikanisch, aber Harry Potter ist britisch. Ich muss ein traditionelles englisches Rezept finden. Wie traditionell? Auf jeden Fall nichts Zeitgenössisches, Harry Potter hat eher einen viktorianischen Stil. Viktorianisch … Aßen die Menschen im viktorianischen England überhaupt Siruptorte?" *Recherche, Recherche, Recherche* "Yeah!!! Gefunden! Ein Rezept für Siruptorte! In den Archiven der Times!"

Danach muss ich es "nur" noch ins metrische System übertragen *arghhhhhh!* und natürlich an die moderne Küche anpassen. Klingt doch ganz einfach, oder?

Meinen zweiten Weg wähle ich dann, wenn das Gericht nur genannt wird und/oder nicht wirklich existiert. Dann muss ich tief in das Universum und die Charaktere eintauchen.

Zum Beispiel isst Bartimäus (aus der Trilogie von Jonathan Stroud) keinen Kebap, aber er spricht über die Gerichte des alten Babylon und des Ur-Reiches.

Willkommen in meinem Verstand ... schon wieder: "Ok, Babylonisches Reich? 3000-1000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Was haben sie zu dieser Zeit gegessen?" *Suche, Suche, Suche*

"Mmm, die ältesten Rezepte der Welt sind aus dem Codex Hammurapi, 1750 Jahre vor Christus, wunderbar!"

Jetzt nur noch den Flamingo durch Hühnchen ersetzen und fertig. Damit ist es kein bloßes Kebab-Rezept, sondern ein echtes Kebab-Rezept aus der Zeit, aus der die Figur stammt.

Zuerst bereite ich die Rezepte für meinen tapferen Mann in unserer Familienküche vor, und das mit alltäglichen Utensilien, nichts Professionelles. Wir kosten die Gerichte gemeinsam, reden drüber und passen sie an. Danach koche ich für meine Töchter und andere mutige Kinder und hoffe das Beste. Wenn die Antwort "So gut, noch einmal!" lautet, ist es ein Sieg! Höre ich "Bäh!!! Das würde ich nicht mal in meinem schlimmsten Alptraum noch einmal essen!", heißt es zurück in die Küche und das Kochen und Rumprobieren beginnt von Neuem :0)

ZWO: Was waren Deine größten Schwierigkeiten beim Schreiben und Kochen?

Aurélia: Es ist mir besonders wichtig, den Kochbuch-Lesenden gegenüber fair zu sein, also versuche ich Rezepte zu kreieren, die stets folgende Dinge kombinieren:

  • Sie sind kohärent mit dem Buch- oder Film-Universum
  • Sie sind einfach in der heimischen Küche mit den üblichen Hilfsmitteln nachzukochen, denn die meisten von uns sind keine Profi-Köche mit einer professionellen Küche
  • Sie enthalten saisonale Produkte, die leicht zu finden sind: Nichts ist frustrierender, als die benötigten Zutaten in keinem Geschäft kaufen zu können.
  • Die Zutaten sind auch mit kleinem Budget erwerbbar, weil ich an Familien, Studierende und all die Menschen denke, die mit wenig Geld ein schönes Erlebnis haben wollen.

Die größte Schwierigkeit besteht darin, all dies zu kombinieren.

ZWO: Was ist Dein absolutes Lieblingsrezept?

Aurélia: Das hängt von der Jahreszeit ab *g* – aber Titanias Wonne aus Zauberhafte Küche mag eigentlich das ganze Jahr über!

ZWO: An wen richten sich Deine Kochbücher? Muss man seine Alchemie-Prüfung mit einem ZAG-O bestanden haben oder werden auch Küchen-Lehrlinge zufrieden und satt?

Aurélia: Meine Bücher sind für alle Menschen zwischen 7 und 777 Jahren, die sich gern mit anderen Fantasy-Begeisterten treffen und Spaß in der Küche haben.

Natürlich sind Messer und Backöfen gefährlich für Kinder und erfordern die Anwesenheit eines älteren Zauberers, aber ich versuche, die Rezepte auch für Jugendliche und Neulinge einfach zu gestalten.

Habt keine Angst, probiert es einfach aus und habt Spaß!

ZWO: Was sind Deine Pläne für die Zukunft? Arbeitest Du vielleicht sogar schon an einem neuen Buch?

Aurélia: Ich schreibe und experimentiere auch weiterhin, momentan habe ich einen fiktiven Roman im Sinn. Ich würde gerne an einem Science-Fiction-Kochbuch arbeiten, also falls ein Verlag dies hier liest … ;-)

ZWO: Und zum Schluss noch eine sehr persönliche Frage: Wenn Du nur drei Bücher auf eine einsame Insel mitnehmen könntest, welche wären das?

Aurélia: Das ist die schwierigste Frage von allen!

Nur drei, keine Anthologien … Tintenherz von Cornelia Funke, Ein Mittsommernachtstraum von William Shakespeare und Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson.

ZWO: Liebe Aurélia, vielen Dank für das Gespräch!

Zauberhafte Küche (Aurélia Beaupommier)
Zauberfeder 2018
184 Seiten, 21 x 29,7 cm, Hardcover
ISBN 978-3-938922-95-8, 29,90 Euro

Zauberhafte Pâtisserie (Aurélia Beaupommier)
Zauberfeder 2020
192 Seiten, 21 x 29,7 cm, Hardcover
ISBN 978-3-96481-004-5, 29,90 Euro

Offenlegung: Der Verlag Zauberfeder ist Mitgesellschafter von Zauberwelten-Online. Dieses Interview wurde unabhängig von inhaltlichen Vorgaben geführt.


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