Assassin's Creed Syndicate

God save the Queen

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Der Jahrtausende andauernde Krieg zwischen Templern und Assassinen nimmt kein Ende. Nach dem todschicken Assassin's Creed Unity verlassen wir die prunkvolle Metropole Paris und begeben uns 79 Jahre später in das von Fabriken und Schornsteinen gespickte London. Die industrielle Revolution hat das Gesicht der britischen Hauptstadt stark geprägt und wir profitieren einmal mehr vom Erfindergenie der zeitgenössischen Wissenschaft.

Zum ersten Mal spielen wir nicht einen, sondern zwei Assassinen. Als wir die Geschwister Evie und Jacob Frye im englischen Städtchen Crawley antreffen, sind sie bereits ausgebildete Assassinen. Über Herkunft und Kindheit können wir uns nur via Datenbank informieren. Also legen wir unmittelbar los: Während Jacob einen Templer in seiner Fabrik zur Strecke bringen will, macht sich Evie auf die Suche nach einem Eden-Splitter. Doch sie realisieren bald, dass die Assassinen keinen Vorstoß erreichen können, solange London in der Hand der Templer liegt. Entgegen den Anweisungen ihres Mentors reisen die beiden in die britische Hauptstadt und starten einen brachialen Feldzug gegen den Einfluss der Templer.

Massenschlachten zwischen Dampf und Stahl

Warum brachial, fragt ihr euch, wenn Assassinen doch subtil vorgehen sollten? Londons Straßen werden durch die Templergang Blighters kontrolliert. Aber Gangmitglieder mögen es auf der sicheren Seite zu stehen. Indem wir einen Stadtteil nach dem anderen erobern, wechseln die Blighters mehr und mehr über zu Jacobs Gang, den Rooks. So erhalten wir unverzichtbare Rückendeckung im Kampf gegen die Unterdrücker. Wer sich davon ein Bild machen möchte, kann sich übrigens einmal Martin Scorseses Film Gangs of New York ansehen.

Die britische Metropole ist gigantisch. Statt hochdetaillierten Gebäuden erklimmen wir gewaltige Fabriken und dreckige Schornsteine. Durch die Straßen fahren Kutschen und die Themse hat mehr Schiffsverkehr als der Hamburger Hafen. Die Bevölkerungsdichte hat im Vergleich zum Vorgänger allerdings stark abgenommen. Entgegen aller Kritiken muss jedoch erwähnt werden, dass dies historisch nicht inkorrekt ist: Das industrielle London war nicht mehr durch wütende Menschenmassen geprägt, sondern durch den technischen Vorstoß der Industrie.

Und auch in spielerischer Hinsicht macht sich dieser Vorstoß bemerkbar. Wir können nun zum ersten Mal auch Kutschen kapern und fahren. Damit legen wir größere Strecken schnell zurück, transportieren Gefangene oder leisten uns spannende Verfolgungsjagden mit den Blighters. Aufgrund der weit auseinanderklaffenden Häuserschluchten können wir nicht mehr problemlos über die Häuserdächer hüpfen. Stattdessen haben wir dank des Telefonerfinders Alexander Graham Bell nun einen Enterhaken, der uns binnen Sekunden auf ein Dach befördert und mit dem wir uns zwischen den Dächern hin und her hangeln können. Dadurch ergeben sich unzählige neue Strategien, die Assassin's Creed Syndicate zum spielerisch besten Teil der Reihe machen.

Von den Eigenschaften her unterscheiden sich Evie und Jacob nur wenig. Bis zur letzten Stufe teilen sie sich die gleichen Upgrades. Erst spät macht sich bemerkbar, dass Jacob ein eher offensiver Charakter ist, während Evie zur ultimativen Schleichexpertin wird. Bis dahin ist es allerdings ein weiter und teurer Weg. Wer Fähigkeiten steigern will, muss Nebenmissionen erfüllen und Überfälle absolvieren. Wer die Rooks aufrüsten möchte, der muss tief in die Tasche greifen und möglichst früh in den Markt investieren. Den Erlös finden wir dann auf unserer mobilen Basis, einem Zug, der innerhalb Londons immer im Kreis fährt.

Frauenpower im Levelkorsett

Die Reihenfolge der Missionen wird indirekt vorgegeben. Sicher kann man ein Stufe 9-Gebiet auch mit Level 4 erobern. Wer die (übrigens überraschend gut funktionierenden) Schleichelemente voll ausnutzen möchte, wird diesen Nervenkitzel lieben. Spätestens bei der abschließenden Gang-Schlacht sieht man aber schnell sehr alt aus. Selbst mit guten Reflexen muss man den hochleveligen Blighters bis zu fünf Mal die Kehle durchschneiden, bis sie endlich das Zeitliche segnen. Das wirkt arg übertrieben und zwingt letztlich zum Grinden.

Wir können natürlich auch stur der Handlung folgen. Aber die unverhältnismäßig hohe Dichte an Blighters, die uns sofort erkennen und bedrohen, wenn wir nur in der Nähe sind, zwingt uns dazu, Gebiete vorzeitig zu entschärfen – oder wir fliegen permanent auf.

Aber sollten Assassinen nicht unauffällig agieren? Stattdessen sind sie erkennbar wie ein bunter Hund und erregen viel unnötiges Aufsehen. Das lässt sich später verringern, aber hinterlässt einen schalen Beigeschmack. Denn um spätere Kämpfe zu vermeiden, müssen wir jeden Einzelnen präventiv töten. Sind wir einmal erkannt, entbrennt eine Massenschlacht, in der sich auch die Polizei gegen uns wenden kann.

Eine revolutionäre Neuerung ist übrigens die Tatsache, dass Frauen eine wesentliche Rolle im Handlungsverlauf übernehmen. Angefangen mit Evie, die nicht nur die reifere und zielstrebigere der beiden Zwillinge, sondern mit ihren exklusiven Schleichfähigkeiten auch die bessere Assassinin ist, befinden sich auch unter unseren Auftraggebern einige starke Frauen. Da wäre Clara O'Dea, ein junges, intelligentes Mädchen, das sich gegen Kinderarbeit einsetzt. Mit Ned Wynerd haben wir sogar einen Transgender, der seine Vergangenheit als Frau abgelegt hat und nun als Mann das organisierte Verbrechen an unserer Seite kontrolliert. Selbst unter den Templern stellen sich uns starke weibliche Kontrahentinnen entgegen. Und natürlich ist auch die Regierungsspitze Englands weiblich: Queen Victoria. Ob unser gegenwärtiges Ich nun ebenfalls eine Frau ist oder ein Mann bleibt, ist hingegen Interpretationssache.

Apropos: Wer sich fragt, was währenddessen in der Gegenwart passiert, wird enttäuscht sein. In hektischen kurzen Zwischensequenzen sehen wir, wie die Assassinen Abstergo infiltrieren. Dabei klammert man sich an die letzten beiden Charaktere der Desmond-Trilogie: Shawn Hastings und Rebecca Crane. Wer die Vorgänger nicht kennt, wird keine emotionale Bindung zu ihnen aufbauen. Der Spieler selbst ist lediglich Beobachter. Unsere einzige Aufgabe ist es, die Nachforschungen zu unterstützen, indem wir innerhalb des Animus die Story um Evie und Jacob weiterspielen.

Fazit

Assassin's Creed Syndicate macht vieles besser und zugänglicher als Unity. Die Geschichte spielt sich intuitiver und das Schleichen liegt viel mehr in der Kontrolle des Spielers. Der Eroberungsaspekt und die übertriebene Aggression der Blighters sorgen insbesondere am Anfang für unfaire Bedingungen. Später ist man aber nahezu übermächtig.

Die weniger detaillierte Grafik und die reduzierte Bevölkerungsdichte haben dem Spiel gut getan. Die Darstellung ist jederzeit flüssig. Dennoch haben sich trotz bereits erschienener Patches noch zahlreiche Bugs ins Spiel geschlichen. Mehrere Male mussten wir Missionen neustarten, weil Trigger nicht ausgelöst wurden oder wichtige Figuren in der Bewegung einfroren. Ein späterer Release zugunsten der Qualitätskontrolle hätte dem Spiel keinesfalls geschadet. Auf den Gesamtverlauf wirkten sich die Bugs aber nicht maßgeblich aus. Assassin's Creed Syndicate ist trotz allem einer der besten Serienteile bis jetzt.

Assassin's Creed: Syndicate
Plattform: Playstation4, Xbox One, PC
(Ubisoft Entertainment)
Webseite: Assassin's Creed Syndicate

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