American Horror Story – Staffel 2

Asylum

Kategorie: Filme
Tags: American Horror Story AHS Horror Serie
von Josephine Awgustow

Pop ist tot. Nicht ganz, aber zumindest sieht es im Auftakt zur zweiten Staffel von American Horror Story für ihn nicht gut aus. Wer Adam Levine (und seiner Band Maroon 5) den Abstieg in den Mainstream nicht verziehen hat, kann sich genüsslich zurücklehnen und seinem Charakter beim Leiden zuschauen: Gemeinsam mit seiner Frau erkundet der Fotograf Leo die bekanntesten Geisterhäuser und stößt dabei pünktlich zum Staffelbeginn auf die verlassenen Überreste von Briarcliff, eine Anstalt für geisteskranke Straftäter.

Nur kurz bleiben wir bei dem Pärchen, das sich in der Ruine seinen letzten Erotikkick sucht. Der Hauptteil der Handlung findet in den 60er Jahren eben in jener Nervenheilanstalt statt, die zu dieser Zeit noch in vollem Betrieb ist und mit strenger Hand von der Nonne Schwester Jude geführt wird. Unterstützt wird diese von der gutherzigen Schwester Mary Eunice, die während eines fehlgeschlagenen Exorzismusrituals allerdings recht schnell zum Sprachrohr des Teufels mutiert.

(K)ein Ort zum Wohlfühlen

Direkt zu Beginn lernen wir noch die zwei weiteren Hauptcharaktere kennen: zum einen Kit Walker, der zusammen mit seiner Frau von Außerirdischen entführt wurde. Letztere bleibt verschwunden und so wird Kit des Mordes bezichtigt und unter Verdacht, dass es sich bei ihm um den berüchtigten Mörder Bloody Face handelt, nach Briarcliff eingewiesen. Zum anderen ist da die lesbische Reporterin Lana Winters – endlich die wunderbare Sarah Paulson in einer Hauptrolle –, die den Fall Kit Walker ein wenig zu intensiv recherchiert und deshalb von Schwester Jude für ihre Homosexualität zwangseingewiesen wird.

Schwester Jude, die mit äußerst fragwürdigen Methoden ihre Patienten in Schach hält, ist bei weitem nicht das Schlimmste, was Briarcliff zu bieten hat. So experimentiert dort der skrupellose Psychiatriearzt Dr. Arden, dessen grausige Hintergründe bis in die Nazizeit zurückreichen, im Geheimen an seinen Patienten. Kit und Lana freunden sich rasch an und versuchen erfolglos auszubrechen, scheinen aber wenigstens in dem Psychiater Dr. Thredson einen Verbündeten gefunden zu haben.

Aliens, Bloody Face und Lana bo Bana Banana

Genau wie Murder House ist auch Asylum wieder eine komplett in sich abgeschlossene Handlung, die diesmal noch um einiges komplexer ausfällt – was sich nicht unbedingt nur positiv auswirkt. Während die meisten Handlungsstränge zusammengeführt und zufriedenstellend aufgelöst werden, rücken einige Aspekte in den Hintergrund oder hinterlassen am Ende gar Verwirrung. Jedoch tut Letzteres der Spannung und Intensität der Staffel keinen Abbruch. Während zwar meines Erachtens getrost auf die Außerirdischen hätte verzichtet werden können, bieten die Geschichten um Mary Eunices Besessenheit und die wahre Identität von Bloody Face viele spannende und positiv haarsträubende Momente.

Das Leben innerhalb der Psychiatrie wirkt auf verstörende Art und Weise beeindruckend. Selbst die Farben scheinen hier blasser und verlorener. Ein Zustand, dem sich der Zuschauer kaum entziehen kann und seltsamerweise auch nicht entziehen will, denn dafür sind die Erzählweise und Handlungsstränge zu spannend, die Charaktere zu komplex und die skurrilen Momente zu … nun ja, skurril. An dieser Stelle muss unbedingt die Tanz- und Gesangseinlange in der zehnten Folge erwähnt werden. Einfach anschauen, verwirrt gucken, noch einmal anschauen und genießen.

Asylum A-list Actors

Asylum wartet erneut mit Traumschauspielern auf: Jessica Lange überzeugt bis ins kleinste Detail als Jude, unter deren Nonnenkluft so einiges verborgen liegt. Lily Rabes Wandlung von der liebenswerten Schwester zum manipulierenden Werkzeug des Teufels ist so beeindruckend wie auch unterhaltsam und besitzt definitiv Lieblingscharaktermaterial. Nachhaltig eindrucksvoll ist auch James Cromwells nüchtern gespielter Dr. Arden, der auf erschreckende Art und Weise ins Gedächtnis ruft, dass die gruseligsten Monster menschlicher Natur sind. Auch Zachary Quinton als Psychiater, Joseph Fiennes als Monsigneur, Sarah Paulson als toughe Journalistin und Evan Peters als zu Unrecht Verdächtigter sind wunderbar besetzt. Der deutsche Zuschauer darf sich zudem auf einen Gastauftritt von Franka Potente freuen.

Auch die kleineren Rollen sind in Asylum nicht zu unterschätzen. Pepper, die an Mikrozephalie leidet, ist ein unsagbar tragischer Charakter, dem wir glücklicherweise in der vierten Staffel Freak Show erneut begegnen. Es lohnt sich, deren Schauspielerin Naomi Grossman zu ergoogeln. Die Maskenbildner haben hier wirklich gute Arbeit geleistet. Besonders nachhaltig ist mir persönlich auch Frances Conroy als Todesengel Shachath im Gedächtnis geblieben.

Fazit

Mit Asylum liefert American Horror Story eine weitere starke Staffel ab, die zwar an einigen Stellen etwas überfüllt wirkt, aber dennoch vor allem durch interessante, vielschichtige Charaktere und eine spannende Grundidee überzeugen kann. Wie auch in Murder House zuvor wartet die zweite Staffel der Serie wieder mit einigen grotesken Schockmomenten auf, die gut zu Schwester Judes Aussage „Alle Monster sind Menschen“ passen. Denn letztlich bietet Asylum einen ungeschönten Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele. Dabei geht es weniger allein um Schuld, Unschuld, Sünde und Buse, sondern vielmehr um das Handeln, zu dem anscheinend jeder Mensch zu einem gewissen Grad fähig sein kann.

Starke Nerven braucht man also auch in Staffel 2, weniger wegen der blutigen Schockmomente, als wegen des menschlichen Grauens, das uns hier begegnet. Auffällig ist hierbei aber auch, dass keiner der Charaktere nur schwarzweiß gezeichnet wird. Selbst der skrupellose Dr. Arden und der brutale Bloody Face haben ihre tragischen Momente und Helden wie Lana Winters ihre Schattenseiten. Klare Kaufempfehlung!


Josephine Awgustow
Über den Autor

Josephine Awgustow schreibt für Zauberwelten-Online.de.

Artikel: American Horror Story – Staffel 2
Dieser Artikel ist erschienen bei:

Kommentare

Empfehlungen der Redaktion

American Horror Story – Staffel 1 - Murder House
Filme

Man nehme folgende Zutaten: eine Riege erstklassiger Schauspieler, gute Effekte, einen coolen Soundtrack, durchweg fehlbare und eben dadurch interessante Charaktere und eine spannende Handlung, die selbst die größten Angsthasen nicht mehr loslässt. Et voilá – fertig ist die Bloody Mary unter den Serien-Longdrinks.

Artikel mit gleichen Tags

American Horror Story – Staffel 1 - Murder House
Filme
Tags: American Horror Story AHS Horror Serie Jessica Lange Evan Peters Connie Britton Dylan McDermott Taissa Farmiga Sarah Paulson Lily Rabe Frances Conroy Jamie Brewer Zachary Quinto

Man nehme folgende Zutaten: eine Riege erstklassiger Schauspieler, gute Effekte, einen coolen Soundtrack, durchweg fehlbare und eben dadurch interessante Charaktere und eine spannende Handlung, die selbst die größten Angsthasen nicht mehr loslässt. Et voilá – fertig ist die Bloody Mary unter den Serien-Longdrinks.

Something is killing the Children - Kleinstadt-Horror im Comic
Literatur
Tags: Mystery Horror Comic Splitter James Tynion IV

In Archer’s Peak werden die Kinder nicht nur im Schlaf von Monstern heimgesucht, sondern sie fallen ihnen ganz real zum Opfer und verschwinden spurlos.

4 /5

H. P. Lovecrafts Der Schatten aus der Zeit - Ein kosmischer Trip durch Zeit und Raum
Literatur
Tags: Gou Tanabe H. P. Lovecraft Cthulhu Carlsen Carlsen Manga Horror Science-Fiction Manga Comic

In „H. P. Lovecrafts Der Schatten aus der Zeit“ erzählt Mangaka Gou Tanabe eine von Lovecrafts letzten und umfangreichsten Erzählungen nach.

Schreibe nur über Orte, die du auch kennst! -  Mario H. Steinmetz im Genretalk über amerikanischen Horror
Literatur
Tags: Interview Mario H. Steinmetz Genretalk Horror American Gothic Southern Gothic

Horrorautor Mario H. Steinmetz stellt die American Gothic im Genretalk vor und erklärt, was für ihn den originären Horror der Literatur dieses Landes ausmacht.

Necromunda Hired Gun - Gangkrieg im Tunnelsystem
Games
Tags: Warhammer PC PS4 PS5 Xbox One Xbox Series

Im "Warhammer"-Universum gibt es eine Konstante: Krieg. Dabei veröffentlichte Games Workshop zu seinen Tabletop-Hauptserien "Warhammer Fantasy" (als Tabletop mittlerweile neu gestartet unter "Age of Sigmar" und "Warhammer 40.000" (Warhammer 40k) zahlreiche Spin-offs, die die Geschichten der kleineren Konflikte abseits der großen Kriegsschauplätze erzählen.

Life is Strange - True Colors
Games
Tags: Teeniedrama Netflix-Serie PC PS4 Xbox One Xbox Series Google Stadia Life ist Strange

Mit "Life is Strange" hat Dontnod im Jahr 2015 ein spielbares Äquivalent zu einer zwischen Mystery und einem Teeniedrama schwankenden Netflix-Serie geschaffen.

Shadow and Bone - Willkommen zurück im bildgewaltigen Grishaverse
Sonstiges
Tags: Grishaverse Leigh Bardugo Droemer Knaur Fantasy Serie Shadow and Bone Netflix

"Shadow and Bone", die Verfilmung der Bücher rund ums Grishaverse ist derzeit in aller Munde. In der ersten Staffel werden wir eingeladen, die Welt der Grisha und Menschen auf ein Neues zu entdecken.

Weitere Artikel

5 /5

Monster Hunter Rise - Jägerschnitzel to go
Games

"Monsterhunter Rise" ist bereits das zweite "Monsterhunter" auf der Switch. Zwischen dem mittlerweile gealtertem Port "Monster Hunter Generations Ultimate" und dem neuen "MH Rise" liegen aber Welten, die nicht jedem Veteran gefallen dürften.

DoKomi 2021 - Japan mitten im Ruhrgebiet
Veranstaltungen

Die Dokomi ist mit jährlich knapp 55.000 Besucher*innen die größte Anime- und Japan-Convention in Deutschland.

Nichts ersetzt Übung! - Tipps für den Einstieg ins Figurenbemalen
Brett- und Kartenspiele Tabletop

Für manche ist die Figurenbemalung ein Buch mit sieben Siegeln. Marco Troschka gibt hilfreiche Tipps für den Anfang und entzaubert das Mysterium Talent.