Agents of Mayhem

Superhelden verursachen Superchaos

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Agents of Mayhem ist das neue Spin-Off zur legendären Saints Row-Reihe. Und das merkt man: Humor unter der Gürtellinie? Check! Abgedrehte Charaktere, die alle
Konventionen sprengen? Check! Abwechslungsreiche Missionen, die wir aufgrund des Spaßfaktors gerne wiederholen möchten? Tja ... das mit der Abwechslung hat leider nicht so ganz geklappt. Und ein Koop-Modus? Den gibt es auch nicht.

Die Agents of Mayhem sind eine internationale Söldnertruppe, vereinigt unter der mysteriösen Persephone, die selbst einmal zu den Bösen gehörte, jedoch die Seiten gewechselt hat. Jedes einzelne Mayhem-Mitglied hat eine Rechnung mit der Terrororganisation Legion zu begleichen. Die endlosen Ressourcen der Mayhem-Basis Ark sind daher eine willkommene Unterstützung.

Der Name ist Programm

Den Start machen der explosionsliebende Reality-Soapstar Hollywood, der kantige Söldner Hardtack und die Piratin Fortune. Zusammen sollen sie einen Dunkle-Materie-Gefechtskopf sicherstellen und nebenbei auch Dr Babylon, den Kopf von Legions Ministerium des Stolzes zur Strecke bringen. Natürlich geht die Operation mächtig in die Hose, da das Spiel sonst reichlich kurz wäre. Der Doktor entkommt und wir bringen versehentlich die Bevölkerung von Seoul in Gefahr. Legion hat sich in der gesamten Stadt breit gemacht und wir müssen unsere zu Beginn eher magere Armee von Agenten erweitern, um die Stadt zurückzuerobern.

Insgesamt gibt es zwölf Agenten, von denen drei von Anfang an spielbar sind. Später kommt z.B. der deutsche Hooligan Redcard dazu, dessen Mannschaft wegen eines Legion-Angriffs verlor, oder ein japanischer Yakuza-Killer namens Oni, der seine Gegner mit einer Maske in Panik versetzt. Die Figuren unterscheiden sich optisch und vom Verhalten stark voneinander. Letztlich sind es aber mehr oder weniger doch nur effektive Tötungsmaschinen, mit denen wir tausende von Legion-Soldaten ins Jenseits befördern.

Mit dem Day One DLC Johnny Gat und zwei im Spiel enthaltenden Agenten, die Saints Row-Veteranen noch bestens kennen sollten, wird eine kleine Brücke zum Saints Row-Universum geschlagen. Letztlich spielt Agents of Mayhem aber in einem Paralleluniversum, in dem die Erde nicht zerstört wurde, und erfordert gar keine Kenntnisse der Vorlage.

Zu dritt auf sich allein gestellt

Um die Agenten freizuschalten, müssen wir eine Reihe von persönlichen Missionen erledigen. Da wir mit jedem neuen Charakter bei Level 1 beginnen, bleiben wir für einen Großteil des Spiels auf den leichteren der insgesamt 16 Schwierigkeitsgraden hängen. Natürlich können wir die Schwierigkeit je nach Herausforderung selbst festlegen. Wer sich mit einem gerade erst freigeschalteten Soldaten an die höheren Schwierigkeitsstufen wagt, wird oft mit wenigen Treffern überrumpelt und verursacht nur sehr wenig Schaden.

Einen Vorteil bietet es daher, dass man stets drei Agenten mit in die Schlacht nehmen darf. Selbst wenn wir nicht alle davon benutzen, profitieren die passiven zwei Agenten von der Schlacht. Eigentlich hätte sich hierfür ein Koop-Modus mehr als nur angeboten. Das Spiel ist jedoch abgesehen von einem rudimentären Challenge-System komplett offline. Stattdessen schalten wir unsere Agenten per Knopfdruck durch. Die verschiedenen Gegner und Missionsziele erfordern unterschiedliche Strategien, für die bestimmte Charaktere mehr als andere geeignet sind. Hat man einen solchen in der Crew, macht sich dieser bemerkbar. So hacken wir bestimmte Computer schneller oder zwingen einen besonders hartnäckigen Brocken leichter in die Knie. Völlig unmöglich ist eine Mission bei ungünstiger Agentenauswahl aber nie.

Simples Level-Design, aber abwechslungsreiche Dialoge

Das liegt mitunter daran, dass die Charakter-Missionen sich im Kern sehr stark ähneln. Gehe dorthin und töte X Gegner, hacke einen Computer oder infiltriere eine Legion-Basis. Gerade letztere Missionen schicken uns mit nur leichten Variationen immer wieder in das gleiche Level-Set. Die Missionen dauern im Schnitt fünf bis zehn Minuten und sind für sich gesehen sehr spaßig. Hier muss allerdings angemerkt werden, dass Volitions Humor sogar die schmutzigen Witze der Saints Row-Reihe zeitweise im Niveau unterbietet.

Wenn wir eine Mission wiederholen und einen anderen Charakter wählen, gibt es übrigens andere Dialoge, was uns dazu motivieren könnte, vergangene Missionen noch einmal zu spielen. Schließlich wollen wir unsere hochgezüchteten Agenten auch einmal auf den schwereren Schwierigkeitsgraden austesten und auf Level 40 bringen. Die Hauptmissionen bieten etwas mehr Abwechslung. Angesichts der interessanten Spielercharaktere ist es schade, dass in der Hauptstory meist nur Legion-Charaktere im Rampenlicht stehen.

Umfangreiche Agentenzucht

Auch abseits der Missionen gibt es in Seoul eine Menge zu tun. Legions Schergen haben die Stadt in ihrem Würgegriff. Indem wir Basen erobern, stocken wir nicht nur unser Taschengeld ein wenig auf, sondern entdecken auch neue Geheimnisse. Allerdings werden unsere eingenommen Basen immer sehr schnell von Legion zurückerobert, was unseren Fortschritt zur Sisyphos-Arbeit verkommen lässt. Das verdiente Geld ist jedoch notwendig für neue Upgrades. Jeder Agent besitzt drei Attacken. Die Standartattacke, die wir hauptsächlich nutzen, einen Spezialangriff, mit dem wir unsere Mayhem-Fähigkeit aufladen, und eine besonders mächtige Mayhem-Attacke, die wir bei aufgeladener Leiste auf den Gegner loslassen.

Nach abgeschlossenen Missionen erhalten wir Belohnungen, die wir an unsere Angriffe koppeln können, um Boni zu erhalten. Dazu können wir von unserem schwer verdienten Geld in günstige einmal benutzbare Gremlin-Technologie investieren oder in die später verfügbare teurere, aber dauerhaft nutzbareLegion-Technologie.
Die mächtigsten Boni werden von den überall versteckten Dunkle-Materie-Splittern freigeschaltet. Die muss man allerdings erst fleißig sammeln. Man sollte sich also überlegen, welchem Agenten man die kostbaren Splitter zuerst geben sollte.

Zeichentrickstil und spektakuläres Sterben

Optisch orientiert sich Agents of Mayhem an den Zeichentrickfilmen der 90er Jahre. Die wichtigsten Zwischensequenzen sind gezeichnet. Das Spiel selbst präsentiert sich überaus bunt und ähnelt im Charakterdesign nicht selten an Figuren aus Overwatch. Die detailarme Kulisse und die immer wiederkehrenden Levelsegmente in den unterirdischen Basen verursachen nach einiger Zeit ein gewisses Routine-Gefühl.

Seoul selbst ist als offene Welt nicht sehr groß. Aber das muss es auch nicht sein, denn außer der futuristischen Aufmachung bietet es wenig realistisches Ambiente.
Passanten sind lediglich für den Kollateralschaden da. Das merkt man besonders dann, wenn man sein Fahrzeug ruft und es bei seiner Ankunft sämtliche Zivilfahrzeuge auf der Strecke in Schutt und Asche legt. Das sieht lustig aus, passt zum zynischen Unterton des Spiels, verurteilt die KI jedoch ausschließlich zum spektakulären Sterben. Das Gefühl in einer bevölkerten Stadt zu sein, die man retten soll, hat man selten.

Fazit

Die eigentliche Motivation des Spiels ergibt sich aus dem Hochzüchten der Agenten und dem Ausreizen der Schwierigkeitsgrade. Darin macht es einen überaus guten Job. Eine Story, die nach einer weiteren Fortsetzung schreit, hat Agents of Mayhem jedoch nicht wirklich zu bieten. Es bleibt die Hoffnung, dass die Saints in der näheren oder ferneren Zukunft wiederkehren, und warum sollte man die Agents of Mayhem dafür nicht auch wieder mit ins Boot holen? Der Humor, die schrägen Charaktere und das intuitive Gameplay sind aus dem gleichen Holz wie seine Vorlage geschnitzt.

Agents of Mayhem
(Volition/Deep Silver)
Plattformen: PS4, XBoxOne, PC
Webseite: Agents of Mayhem

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