Ära der Drachen

Ein Kampf von Schatten und Licht

// Literatur
Ära der Drachen - News

Sira – die Diebin der Schatten – ist eine der wenigen, die sich noch in die Oberwelt trauen. Nicht, dass sie allzu erpicht darauf wäre, in den giftigen Gasen oder den Feuern der Drachen den Tod zu finden. Aber nur dort gibt es die begehrten Handelswaren, die ihr und Andor ein Leben in Freiheit bescheren könnten. Wenn nur die verfluchten Reiter des Königs nicht wären ...

Schon als kleines Mädchen wurde Sira schnell mit einer Tatsache bekannt gemacht: Traue niemals einem Drachen! Denn diese sind nicht nur – augenscheinlich – verantwortlich für den Untergang der menschlichen Kultur, sondern auch für den Tod ihrer Familie. Mit aller Macht versucht Sira nun, wenigstens ihren verträumten Bruder Andor vor den Bestien zu beschützen und dabei noch genug Geld ranzuschaffen, um ihm ein Leben fernab von jeglicher Zerstörung zu ermöglichen. Doch gerade als sie einen der reinsten Kristalle der Drachen aus der Oberwelt ergattern konnte, mit dem sie ihren Ausbruch bezahlen könnte, ziehen die Reiter des Königs durch den Nachtmarkt und hinterlassen nichts als blaue Flammen, die den Tod bringen. Und im Zentrum des Chaos steht Andor, Siras kleiner Bruder, und starrt voller Verwunderung mitten in die kalten Augen eines Frostdrachens, der langsam zu einem verheerenden Atemzug ansetzt.

Und, wie ist das Buch?“ „Gut.“ „Wie,gut?“ „Sehr gut!“

Stellt man einem lesenden Menschen die Frage, was er gerade liest oder wie er das Buch findet, das er da in den Händen hält, gibt es zwei mögliche Reaktionen, die auch gleich genügend Auskunft darüber geben, wie spannend die Geschichte ist. Eine davon ist eine knappe, vielleicht sogar unwillige Antwort, die darauf hindeutet, dass der Leser nicht bereit ist, die Geschichte auch nur einen Moment wegzulegen, um sich in eine ablenkende Konversation zu begeben. Und eine solche Kurzantwort war es, die ich meiner Familie am Muttertag gab, als sie mich aus der Welt des Drachenfeuers zum sonntäglichen Kuchentisch bringen wollte. Der Grund dafür sind nicht zuletzt die Unmengen an Drachen und die phantasievoll gestaltete Welt, die mehr als eine lauernde Gefahr zu bieten hat.

Nach der Hölle ist vor der Hölle

Ist man auch nur annähernd Fan von Drachen und Geschichten um diese mythischen Wesen, kommt man in Die Ära der Drachen von Gesa Schwartz voll auf seine Kosten. Die Handlung hält nicht nur einen ordentlichen Konflikt zwischen Menschen und uralten Mächten bereit, sondern verstrickt sich in immer individualisiertere Problematiken, die in Haupt- und Nebensträngen Spannung erzeugen. Neben dem legendären Kampf zwischen Gut und Böse werden viele kleine Hintergründe angeboten, die ausreichend Interpretations- und Identifikationsspielraum geben, sodass für jeden Lesetypen eine attraktive Möglichkeit bereitgehalten wird, sich ganz auf die Geschichte einzulassen.

Besonders hervorzuheben ist dabei die Vermischung der Seiten, denn es wird kein klassischer Kampf zwischen Drachen und Menschen oder Ober- und Unterwelt dargestellt, sondern eine Welt, in der die Grenzen zwischen den Intentionen der Individuen verschwimmen. So sind die Bösen eben doch nicht nur böse und die Guten nicht immer die Helden. Einblicke in die Hintergründe der Hauptcharaktere eröffnen genug Raum zum Nachdenken, auch wenn die Sympathie durch den roten Faden der Handlung klar gelenkt wird. Der Kampf gegen die Opposition ist aber nicht nur einer, der mit Schwert und Magie geführt wird, sondern der auch die Entwicklung der Persönlichkeiten bedingt. Denn nur, wer sich den eigenen Ängsten stellt, kann den Sieg davon tragen.

Gute Drachen, schlechte Drachen?

Bei vielen Drachenromanen ist das Problem, dass die mythischen Fabelwesen entweder zu treu-braven Kuscheltieren oder zu übel-bösen Ungeheuern typisiert werden. An Die Ära der Drachen hat mir besonders gut gefallen, dass es genauso facettenreiche Drachen- wie Menschencharaktere gibt, die sich nicht leicht in eine Schublade stecken lassen. Hintergrundgeschichten der Figuren machen es nicht nur einfach, sich auf kommende Geschehnisse einzulassen, sondern geben auch tiefere Einblicke in Intentionen und Verhaltensmuster. Dabei werden auch die Drachen in ihrer Emotionalität begriffen, die zwar etwas der erwarteten Weisheit dieser Wesen entbehrt, sie dafür aber zu begreifbaren und Mitgefühl erweckenden Charakteren entwickelt. Einzig die Fähigkeit der Hauptfigur, mit Leichtigkeit auch die gefürchtetsten Drachen für sich zu gewinnen, hätte in meinen Augen etwas abgemildert werden können. Wenn die Epik dahinter auch irgendwie einen gewissen Coolness-Faktor bereithält.

Fazit

Ära der Drachen ist für jeden Drachen-Roman-Fan ein Leseschmaus. Besonders diejenigen, die auf seitenlange Kampfbeschreibungen stehen, können sich schonmal die Hände reiben. Und jeder, der gerne Geschichten vom Aufstieg eines geschundenen Seelchens zu einem gestandenen Helden liest, kann das mit über 700 Seiten ausführlich genießen. Bitte mehr davon!

Ära der Drachen
Gesa Schwartz
(EGMONT, 2016)
736 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-7363-0186-3
Webseite: Die Ära der Drachen bei EGMONT

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